Wohltätigkeitskonzert im Hotel Pannonia, Sopron

Als Abschluß dieses Tages stand noch der Besuch des Wohltätigkeitskonzertes im Hotel Pannonia auf dem Programm. Die Einnahmen des Konzertes sollen für die Errichtung des Denkmales anläßlich der Vertreibung der Deutschen 1946 dienen.

 
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Hier soll nun einmal etwas Grundsätzliches zu diesem Thema gesagt werden:  Es mag vielleicht – für die Menschen, die nun in Deutschland leben, etwas eigenartig und rückständig klingen – ein Denkmal für ein Ereignis zu haben, welches nun schon 62 Jahre zurückliegt! Ein Denkmal für ca. 30.000 Euro, einer Summe, die vielleicht für „Sinnvolleres“ ausgegeben werden sollte! Es gibt so viel Hunger auf dieser Welt, soviel Not und Elend, welches man damit lindern könnte. Richtig, es stimmt – viele Menschen hungern heute, haben kein Dach über dem Kopf, sind ständig auf der Flucht, suchen eine neue Heimat!
 
Schicksale, die uns – wirklich(?)  - bewegen sollten. Doch in unserer Zeit sind diese Ereignisse – Flucht, Hunger und Krankheit – für uns schon zum Alltag geworden. Wir sehen und lesen es zwar, allein wir sind davon im Inneren nicht mehr berührt! Dabei waren Ereignisse damals, vor 60 Jahren und mehr – schuld daran, dass auch heute noch Menschen keine Heimat haben! Und ich weiß, wovon ich schreibe – ich habe 1956, 1989 und 1990/91 die Flüchtlingsströme, die über die ungarische Grenze schwappten, miterlebt. Ob Ungarn, (Ost)deutsche oder Rumänen, Russen, Thailänder oder – egal aus welchen Erdteilen auch immer – Eltern mit Kindern aller Altersstufen, Viele, viele habe ich hier durch unsere Gegend, dem „oedenburgerland“  durchziehen gesehen: Verzweiflung in den Gesichtern, wenn sie aufgegriffen wurden, mit Hoffnung in den Augen, wenn sie – wenn auch oft nur kurz – hier bei uns Aufnahme fanden! Und das nicht nach 1945, nein, hier und heute, auch noch 2008, gibt es diese Schicksale von Flüchtlingen, diese Verzweiflung, diese Hoffnung in den Herzen der Menschen: Hoffnung auf Menschlichkeit, Hoffnung auf Barmherzigkeit, Hoffnung auf ein Leben ohne Not, ohne Hass, ohne Angst!

Dafür lohnt es sich heute, etwas zu tun: damit dieses Leid aufhört, damit es sich hier bei uns, in unserer Umgebung, nie mehr wiederholen möge – dafür lohnt es sich, etwas beizutragen, sei es in finanzieller, sei es in tätiger Form, damit das nie mehr geschieht. So soll dieses Denkmal mahnen, aufrufen zu Brüderlichkeit, zu Menschlichkeit, zu Toleranz: Nie wieder sollen Menschen aus ihrer Heimstatt, die ihnen Wärme, Arbeit und Geborgenheit vermittelte, vertrieben werden.
Es ist nicht verwunderlich, dass Menschen, die heute im Nachbarstaat Deutschland leben, Abstand zu all diesen Ereignissen gewonnen haben. Es geht ihnen gut, sie haben ihr Auskommen, haben Kinder und Enkelkinder, denen die ungarische Sprache schon fremd wurde, ja, viele Verwandte und Bekannte in der alten Heimat Ungarn sind schon verstorben. Die jungen Menschen wissen es nicht anders, sie haben keine allzu feste Verbindung mehr zu ihren Wurzeln, es ist vielleicht auch gar nicht mehr sinnvoll, daran zu denken: Woher kamen eigentlich die Großeltern? Vielleicht schämt man sich sogar seiner Herkunft(?): Ohne Grund, möchte ich sagen.

Denn in Sopron, in Agendorf, in Wandorf hat ebenfalls die neue, die bessere Zeit, Einzug gehalten. Sopron mit seinem reichhaltigen kulturellen Angebot, die umliegenden Gemeinden in denen es langsam aber sicher, dank einer guten Gemeindepolitik, besser geht, sie alle haben es verdient, dass man sie unterstützt, dass man ihnen hilft, finanzielle Schwierigkeiten zu überwinden.

Und dazu sollte das Konzert am 29. November im Europa-Saal des Hotels Pannonia dienen. Es sollte ein wenig Geld zusammen kommen, damit die Idee des Denkmals verwirklicht werden kann. Und es kamen viele, es wurde gespendet und es wurde mit Dankbarkeit und Freude die künstlerische Darbietung genossen.

Frau Louise Mitsch, die Mutter der Künstlerin Katharia Mitsch, ist das Zustandekommen des Konzertes zu danken, Und natürlich – Magdalena Kritsch! Sie haben sich Mühe gegeben, alles getan, um diesen Abend festlich werden zu lassen – und es war ein Fest!

Wundervolle Musik, excellent dargeboten von Katharina Mitsch, János Bálint und Gábor Jozsef (am Klavier). Katharina, die ehemalige Schülerin von János Bálint, musizierte mit ihrem Lehrer in vollendeter Harmonie. Die Zuseher spendeten begeisterte Ovationen,  Zugabe um Zugabe wurde er“klatscht“! Ein wundervoller Abend, der mit Franz Liszt’s 2. Ungarischer Rhapsodie ausklang, ging zu Ende.

Nicht zu Ende war jedoch der Gedanke: hier und heute konzertierte die Enkelin auf der Flöte,  die 1946 vertriebenen Großeltern saßen zu Hause in Heilbronn und hielten ihr die Daumen. Ihre Mutter, die Magdi Krisch eine gesammelte Spende von 2000 € übergab, saß mit ihrem Gatten, dem Zahnarzt Dr. Reinhard Mitsch, unter den Zuhörern. Und ebenso wie alle Anwesenden trugen sie im Rahmen ihrer Möglichkeiten dazu bei, dass die enschen zu dem Schluß kommen mögen: die Ereignisse von damals sollen sich nie mehr wiederholen.

 

Kurz zu den Künstlern des Konzertes:
Katharina Mitsch, Schlülerin von Janos Balint, Preisträgerin zahlreicher Wettbewerbe, im Herbst 2002 in die Künstlerliste der Yehudi Menuhin-Stiftung aufgenommen, schloß ihre Ausbildung, das Konzertfachexamen (2005) und ihr Lehrdiplom (2001), mit Auszeichnung ab. Neben der Musik studierte sich auch Zahnmedizin und arbeitet zu Zeit an der Universität Zürich.

Gábor József, ein einfühlsamer Begleiter der beiden Flötensolisten, absolvierte 1969 die Ferencz Liszt Musikhochschule in Budapest. Er wurde mit dem ehrenvollen Titel „Bester Klavierbegleiter“ ausgezeichnet. Er ist ständiger Begleiter des weltberühmten Raaber Mädchenchor es.
János Bálint, Professor an der Musikhochschule Detmold. Er ist international bekannter Flötist, seit dem Jahr 2000 Soloflötist der Ungarischen  Nationalphilharmonie. Er war Lehrer der Solistin Katharina Mitsch und bestreitet mit ihr immer wieder Konzerte, die großen Beifall in der Musikwelt finden. Die ungarische Regierung verlieh ihm 2008 die höchste musikalische Auszeichnung – den Franz Liszt-Preis.

 

  Euer rasender Reporter

 

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