Als Kaiser Karl der Große zwischen 791 und 796 die Awaren besiegte und sein Reich bis zur Raab ausdehnte, siedelte er auch franko-bajuwarische Bauern in unserer Gegend an. Selbst der sehr magyarisch gesinnte Kirchenhistoriker Prof. Alexander Payr schreibt in seinem 1916 erschienenen Buch: "... die deutsch-bajuwarische Urbevölkerung (Ödenburgs und Umgebung) wurde von dem Magyaren bei ihrer Landnahme schon hier vorgefunden..." Damals (1916) musste durch die Magyaren noch nicht bewiesen werden, dass sie ein "älteres Anrecht" auf Ödenburg hätten.

Als im Hochmittelalter die Streitigkeiten unter den Adeligen um ihr Besitztum immer häufiger wurden, mussten Schenkungen, Besitzstand auch in Urkunden niedergeschrieben werden. "Urkundsbeamte" waren in dieser Gegend hauptsächlich der Johanniter-Orden in Ödenburg, das Kapitel in Eisenburg (Vasvar) und einige Jahrzehnte später auch das Kapitel von Csorna (lies Tschorna). Wichtige Urkunden, Dokumente, die vom König herausgegeben und unterzeichnet wurden, waren natürlich vom Schreiber des Königs in dessen Residenz oder Lager ausgefertigt und besiegelt worden. So wurde z. B. eine Urkunde, die Harkau betrifft, 1284 im Lager des Königs am Fuße der Burg Bernstein, bei deren Belagerung, ausgefertigt.

Magister Philipp von Kürü und seine Nachkommen waren aber nicht die Alleineigentümer von Harkau. Ein Teil des Dorfes gehörte schon einer adeligen Familie, die sich um diese Zeit schon "de Harka" (von Harka) nannte. Zwei ihrer Vertreter, Gregor und Laurenz de Harka, werden in der für Ödenburg so wichtigen Urkunde König Ladislaus IV. von 1277 (königliche) "Leibeigene" genannt. Laut dieser Urkunde wurde Ödenburg zur Stadt erhoben und erhielt das Burgfeld Wandorf als Eigentum. Die beiden adeligen Familien vertrugen sich nicht gut miteinander. Die Streitigkeiten um die Besitzverhältnisse in Harkau scheinen schon bald nach der Ausstellung der Schenkungsurkunde von 1257 ausgebrochen zu sein. Denn schon aus einer Urkunde aus dem Jahre 1270 geht hervor, dass der ung. König Stephan V. den Söhnen des Magisters Philipp von Kürü, Stephan und Simon (falsch: Gregor!) die Schenkung seines Vaters Bela IV. bestätigt und die Schenkungsurkunde vom 11. Oktober 1257 nochmals abschreiben lässt.

Im Mittelalter war es auch in Ungarn so, daß das Land - um es vereinfacht zu sagen - "der Krone" gehörte. Der König als Träger der Krone, verteilte die Güter an seine Getreuen. War einer rebellisch geworden, lehnte er sich gegen den König, gegen die Zentralgewalt auf, wie z. B. Koppany gegen Stephan d. Heiligen, so wurde er vernichtet - sofern der König die Macht dazu hatte - seine Güter konfisziert und an andere Getreuen des Königs verschenkt. Einer, der an großzügigsten die Königsgüter verschenkte, war König Andreas II., er regierte von 1205 bis 1235. Sein Wahlspruch lautete: "Alles hat seine Grenzen, nur die Freigiebigkeit des Königs soll grenzenlos sein!" (Vielleicht hat seine Tochter, Elisabeth d. Heilige, diese Freigiebigkeit von ihrem Vater geerbt!? Am bekanntesten über sie ist ja die Legende vom Rosenwunder. Die Elisabeth-Kirche in Marburg a. d. Lahn wurde ja nach ihr benannt und ihr Sarg wird auch heute noch dort aufbewahrt!) Aber auch seinen Sohn, König Bela IV. (Adalbert) lernten wir als spendenfreudigen König kennen, der 1245 das heutige Deutschkreutz und 1257 einen Teil Harkaus an seine treuen Untertanen verschenkte. Es gab also um diese Zeit kaum mehr "freie Bauern", die nur dem König untertan gewesen wären, alle waren irgendeinem Adeligen, Grafen, Magnaten, Bischof untertan. Diese "Grundherren" stritten und bekriegten sich oft gegenseitig (wie die beiden Familien "von Harka"), da jeder versuchte, seine Güter zu vergrößern, seine Macht - auf Kosten der anderen - immer mehr auszudehnen.