Der geistige Mittelpunkt eines Dorfes war, wahrscheinlich schon seit der Christianisierung der Jennanen, die Kirche. So ist es nicht verwunderlich, daß in Harkau auch baulich gesehen, die Kirche im Mittelpunkt des Dorfes steht. Die in der Gegenreformation enteignete und jetzt kath. Kirche steht auf einem kleinen Hügel mitten der verbreiterten Dorfstraße.

Nach dem Thesenanschlag Martin Luthers am 31. Okt. 1517 an der Schloßkirche zu Wittenberg wurden seine 95 Thesen aus dem Lateinischen übersetzt und in unzähligen Flugblättern im ganzen damaligen Deutschen Reich schnellstens verbreitet Die Händler Ödenburgs, die auf die Märkte in Regensburg, Augsburg, Wien, Böhmen, Mähren, Schlesien kamen, lernten Luthers Schriften auf den Märkten kennen und brachten diese auch in ihre Heimat mit schon fünf Jahre nach Luthers Thesenanschlag wurden Luthers Schriften in Ödenburg gelesen, und sogar schon auf einigen Kanzeln im Sinne Luthers gepredigt Auf Anzeige des Stadtpfarrers wurde vom König Ludwig II. extra für Ödenburg ein Tribunal eingesetzt, das die "lutherischen Ketzer" verhören und Luthers Bücher verbrennen sollte.

Während in Deutschland der 30-jährige Krieg wütete, die evang. Lehre in den österreichischen Erbländern total ausgerottet wurde, hatte die Bevölkerung unseres Raumes, auch die evangelische, nach dem Nikolsburger Frieden (1621) eine relativ ruhige, friedliche Zeit. Der größte Teil des kaiserlichen Heeres bestand Anfang des Krieges aus Kroaten, über die in der deutschen Geschichte wenig Rühmliches berichtet wird. Der Bischof von Raab, Draskovich - auch ein Kroate - zu dessen Diözese auch das Komitat Ödenburg gehörte, ordnete an, daß alle Pfarrer - auch die evangelischen - Matrikelbücher führen mußten (Siehe Matrikelbücher) Natürlich versuchte dieser Bischof nicht nur indirekt auf die Evangelischen einzuwirken, sondern auch durch unmittelbare Maßnahmen. Nachdem 1636 trotz heftigen Widerstandes der Bevölkerung und des Rates der Stadt die Jesuiten in Ödenburg angesiedelt worden waren, versuchte Pater Ambrosius Heigel im Jahre 1639 in den Stadtdörfern zu missionieren, d. h. die Bevölkerung zu rekatholisieren. Selbst der röm. kath. Kirchenhistoriker Dr. Bán schreibt darüber: "... aber bei den halsstarrigen Harkauern hatte er keinerlei Erfolg. Ja in Harkau konnte keinerlei Kongregation Fuß fassen, und die Einführung einer Zunft (damals die Hauptstütze der kath. Kirche) konnte in Harkau erst gar nicht versucht werden..."

Nachdem die Gegenreformation in Ungarn mit Hilfe der Habsburger und der Jesuiten ihr Ziel erreicht hatte, gab es im Jahrzehnt, 1674-1682, in ganz Ungarn keinen öffentlichen evangelischen Gottesdienst. Nur in Ödenburg durfte sich die Herzogin Eggenberg, eine geborene Hohenzollern aus Bayreuth, einen evang. Prediger halten. Ihr Haus mit der steinernen Kanzel zum viereckigen Hof in der Georgengasse, Nr. 12, wird heute noch den Besuchern gezeigt.

Nach der Enteignung der Kirche im Jahre 1673 wurde Harkau kirchlich eine Filiale von Neckenmarkt Die Stadt als Grundherr von Harkau, wollte natürlich schon aus rechtlichen und wirtschaftlichen Gründen es nicht zulassen, daß ihr Stadtdorf Harkau kirchlich eine Filiale von Neckenmarkt bleibe, das ja Eigentum der Familie Eszterhazy war. Nach zähen Verhandlungen auch der führenden kath. Bürger erreichte die Stadt endlich, daß Harkau von Neckenmarkt kirchlich wieder getrennt wurde. Allerdings wurde sie keine selbständige Pfarrei, sondern wurde Filiale der kroatischen Gemeinde Kolnhof. Aber Kolnhof war ja immerhin Stadtdorf Ödenburgs, somit konnte die Stadt dem Pfarrer für Kolnhof und Harkau selbst bestimmen und ernennen. Von 1674 bis zum Erscheinen des Toleranzediktes, ganze 110 Jahre gab es in Harkau keinen evangelischen sondern nur katholische Pfarrer. 

Der aufgeklärte Regent Josef II. regierte in Ungarn von 1780 bis 1790. Als Kind der Aufklärung nahm er sich den Preußenkönig, Friedrich den Großen, den Widersacher seiner Mutter, Maria Theresia, als Vorbild. Auch sein Ziel war, die Menschen glücklich zu machen, eben durch Aufklärung. Auf religiösem Gebiet hielt er es auch mit seinem Vorbild: "jeder soll nach seiner Fasson selig werden?" Darum führte er zahlreiche Reformen zum Wohle des Volkes ein, z.B. die Befreiung von der Leibeigenschaft. Im Oktober 1781 erließ er das "Toleranzedikt" Laut dieses Erlasses wurden in seinen Ländern auch die Protestanten beider Konfessionen geduldet ("Duldungserlaß"). Er besagte:

Schon am 30. März 1782 fuhren der Richter, Johann Eckl und der Geschworene Matthias Eckl nach Wien und übergaben dort ein Gesuch, indem sie um Genehmigung baten, aufgrund des Toleranzedikts in Harkau eine evang. Kirchengemeinde gründen zu dürfen. Der Inhalt dieser Petition ist uns leider nicht bekannt Pfarrer Scholtz veröffentlicht die Bittschrift der Gemeinde Agendorf. Es ist anzunehmen, daß die Bittschrift der Harkauer ähnlichen Inhalts gewesen ist Am 9. Juli und am 19. November 1782 wurden vom Komitat - untere Verwaltungsbehörde - je eine Kommission nach Harkau geschickt, die feststellen sollte, ob in Harkau eine evang. Kirchengemeinde gegründet werden könne. Diese Kommission schrieb die Familien zusammen und notierte den Betrag, welchen jede Familie zu entrichten bereit war. Es waren weit mehr als 100 evang. Familien und die Harkauer zeichneten auch weit mehr, als zur Vergütung für Pfarrer und Lehrer, Kirch- und Schulhausneubau benötigt wurde.

Nun hatten die Harkauer die höchst kaiserliche Genehmigung, eine evangelische Kirchengemeinde neu zu gründen, hatten aber immer noch keinen Pfarrer. Georg Nagy, der Subrektor am evang. Gymnasium in Ödenburg empfahl ihnen den Rektor des Gymnasiums in Modem, Kr. Preßburg, Gottfried Walther. Dieser hatte den Harkauern auch versprochen, die Stelle anzunehmen. Nachdem sich die Genehmigung der Pfarrei so sehr hinausgezögert hatte, nahm er die Pfarrstelle in Oberschützen (jetzt Burgenland) an. Sie sprachen auch noch bei anderen Pfarrern vor, aber alle hatten schon anderen neu gegründeten Pfarrgemeinden zugesagt. In diesen Jahren wurden kurz nach dem Erscheinen des Toleranzedikts in Westungarn (zu dem auch das heutige Burgenland gehörte) über 150 evang. Kirchengemeinden gegründet; kein Wunder also, daß ein großer Pfarrermangel herrschte! "Nachdem die Harkauer so viele Körbe erhalten hatten, erbarmte sich Prof. Nagy der Harkauer und nahm, 48-jährig die Pfarrstelle in Harkau an" schreibt Prof. Payr. "Er war schon ein anerkannter Professor (=Studienrat) am Ödenburger evang. Gymnasium, hatte reich geheiratet, besaß in Ödenburg einige Häuser, und sollte jetzt als Pfarrer nach Harkau gehen, unter einem Strohdach hausen, denn es gab ja keine Kirche, kein Pfarrhaus und keine Schule" schreibt Prof. Payr.

Nachdem nun die Harkauer "mit höchst kaiserlichen Erlaubnis" eine evang. Kirchengemeinde gründen durften, waren sie bestrebt, ihre Gottesdienste weiterhin nicht mehr "in einer mit Stroh bedeckten Hütte" (A. Payr) sondern in einer Kirche, oder wenigstens in einem Bethaus- ohne Turm - abzuhalten. Die Bewohner hatten ja schon vor der Genehmigung der Kirchengemeinde zeichnen müssen, wieviel sie bereit waren, für Kirche, Pfarrer und Lehrer zu opfern. Treibende Kraft war sicher auch hier wieder neben Pfarrer Nagy der nimmermüde und couragierte Matthias Eckl. Natürlich hielten sie sich beim Bau der Kirche strengstens an die im Toleranzedikt enthaltenen Vorschriften. Von der Stadt, als Grundherr, erhielten sie einen Baugrund. Die Kirche mußte im Garten, "ohne direkten Eingang von der Straße" und ohne Turm gebaut werden. Meistens wurden ja solche Kirchen "Bethaus" genannt. Wer der Bau- meister der Kirche war, konnte ich leider nicht feststellen.

Nun hatte die neu gegründete evang. Kirchengemeinde in Harkau mit Pfarrer Nagy auch seinen eigenen Pfarrer. Wie wir gesehen haben, hatte er tüchtig mitgeholfen, um die kaiserliche Genehmigung zur Neugründung der Kirchengemeinde zu erhalten, den Harkauern endlich auch dadurch aus der Verlegenheit geholfen, daß er - wohlhabend und in guter Stellung - sogar ihr Pfarrer wurde. Pfarrer Georg Nagy ist 1735 in Güns geboren. Sein Vater war Bürger und Schuhmacher in Güns, stammte aber aus dem niederen Adel. Seine Mutter, eine Günser Bürgerstochter, hieß Rosina geb. Hömer. Als Junge besuchte er die evang. Schule im Articular-Ort Nemescs wo er Ungarisch und Latein lernte. Von 1749 bis 1760 besuchte er die evang. Lateinschule in Odenburg, und von 1760-1763 studierte er mit einem Stipendium an der Universität Jena, wo er Freundschaft schloß mit dem berühmten Pädagogen und Philantropinisten Christian Salzmann. Ab 1763 unterrichtete er am evang. Gymnasium in Ödenburg, wo er 1766 zum "Subrector" (=Komektor) ernannt wurde. Er unterrichtete für die damalige Zeit sehr modern und legte auch Gewicht auf die praktische Ausbildung. 1770 heiratete er die sehr wohlhabende Ruster Bürgerstochter Anna Maria Zweymann, so daß er zwei Häuser in Ödenburg besaß und noch Geld ausgeliehen hatte an die Bierbrauerei in Preßburg, und doch nahm er die Harkauer Pfarrstelle an, wo er "unter einem Häuslein mit Stroh gedeckt hausen mußte" (Payr.)

Da es nach der Neugründung der evang. Kirchengemeinde kaum kath. Einwohner in Harkau gab, wurde Haschendorf als Filiale der Harkauer kath. Kirchengemeinde angeschlossen, außerdem besuchten die "Maierknechte" und ihre Familien - sofern sie kath. waren - an den Sonntagen die Messe in Harkau. Es gab nämlich drei Maierhöfe in der Nachbarschaft von Harkau: den Randmaierhof , zwischen Harkau und Ödenburg, den Maierhof bei der Station und den "Hermannshof", zwischen Harkau und Girm. Letzterer fiel 1921 an Österreich, trotzdem kamen die Bewohner allsonntäglich nach Harkau zur Messe; bei dieser Gelegenheit genossen sie anschließend den guten Wein in Harkau und versorgten sich für die ganze Woche mit den guten und billigen Rauchwaren. Die Namensliste der katholischen Pfarrer seit 1784 stellte Dr. Házi für den Harkauer Pfarrer Franz Erdéesz zusammen, der mir die Liste gerne zur Verfügung stellte.

Als die Kirche 1787 eingeweiht wurde, hatte sie einen Altar, aber nicht den, den wir kennen. Wie er ausgesehen hat, wissen wir nicht. Sicher war er sehr bescheiden, denn 50 Jahre später wurde ein neuer Altar mit Kanzel im nüchternen klassizistischen Stil errichtet, so wie wir ihn kennen und wie ihn uns das Bild zeigt. In einem Protokoll der Kirchengemeinde lesen wir: "Anno 1843, den 13. August wird in Anwesenheit des Lokalinspektors Andreas von Fabrizy der neu errichtete Altar mit Kanzel eingeweiht." Es war also wieder am Kirchweihsonntag! Das Bild an der Altarwand fehlte allerdings damals noch. Die zwei Söhne des von 1796 bis 1840 in Harkau wirkenden Pfarrers Samuel Schiller haben ein leuchtendes und unvergeßliches Zeichen ihrer Liebe zur Harkauer Kirche gesetzt, in der sie getauft und konfirmiert worden waren. Sie stifteten nämlich das neue Altarbild, das auch heute noch die Kirche ziert. Das Altarbild stellt Christus am Jakobsbrunnen mit der Samariterin dar (Joh. Kap. 4!). Es ist eine Kopie des italienischen Malers Hannipal Caraccis, und wurde im Jahre 1851 vom Kunstmaler Jakob Marastoni für die Harkauer Kirche angefertigt. Auf der Rückwand des Bildes ist heute noch die Widmung zu lesen: "In dankbarer Erinnerung - die Brüder Ludwig, k. k. Major, und Carl von Schiller, Doktor der Rechte, im Jahre 1851?"
 
Quelle:"Harkau - mein Heimatdorf ",
die Geschichte eines deutschen Bauerndorfes in Westungarn
Andreas Schindler (1987) 

Die erste uns bekannte Kirche in Harkau, die den Aposteln Petrus und Paulus geweiht bon 1309 urkundlich erwähnt wird und der Raaber Kanonikus Dominicus im 15. Jahrhundert berichtet, daß die Harkauer Pfarrkirche eine der besten in den Gemeinden der ganzen Diözese sei, wird auf dem Turm der Kirche auch sicher eine Glocke gehangen haben, nach Kirchenrecht von 1169 Kirchen und öffentliche Kapellen Glocken haben sollen, um zum Gottesdienst oder Gebet zu laden. Leider haben wir über diese Glocke(n) keinerlei Aussagen. Wie bereits erwähnt, wurde die jetzige röm. kath. Kirche in Harkau im Jahre 1658 umgebaut, erweitert, ja der Turm ganz neu erbaut. Er erhielt damals die Form, die er noch inne hat. Auf dem neu erbauten Turm wurden wenigstens zwei, wenn nicht drei Glocken aufgehängt. Seit dem Ersten Weltkrieg hängt nur noch eine Glocke auf dem Turm, mit der heute noch täglich geläutet wird. Da im Jahre 1658 die ganze Gemeinde evangelisch war, trägt die bis heute erhaltene Glocke die Aufschrift: "Eigentum der Evangelischen Kirchengemeinde Harkau." (ob die Glocke noch eine weitere Aufschrift hat, ist nicht feststellbar, da man den Turm kaum besteigen kann.) Diese Glocke ist eine relativ kleine Glocke mit einem hohen Ton.

Nachdem die evang. Kirche, das "Bethaus", 1787 in Harkau eingeweiht worden war, muß es auch eine Orgel gehabt haben, denn laut Kirchenrechnungen aus dieser Zeit wurde 1789 "dem Herrn Malik, Orgelbauer in Wien, 129 fl." und 1790 nochmals "88,20 fl bezahlt". Wie diese Orgel aussah, wissen wir nicht, auch haben wir keinerlei Angaben über deren Größe.

Die Harkauer Kirchengemeinde wurde nach ihrer Neugründung im Jahre 1783 nicht allein vom Pfarrer geleitet und verwaltet, sondern von Anfang an standen ihm die "Kirchenväter" zur Seite. Einer der beiden Kirchenväter war für die Geldangelegenheiten verantwortlich. Er stellte jährlich die "Kirchenrechnung" zusammen. Sie sind alle noch vorhanden.


Michael Reitter 1783-86
Matthias Payerl 1786-90
Matthias Latzko 1786-92
Michael Eckl 1793-?
Matth. Payerl jun. 1799-1800
Joh. Posch 1799-1800
Michael Schrammel und Joh. Eckl 1801-?
Joh. Eckl + 1819 als Kirchenvater!
Joh. Eckl jun. 1820-25
Joh. Paßler 1823- 26
Joh. Payer 1826-29
Gottlieb Roßner 1827-29
Joh. Posch 1830-31
Samuel Kayser 1830-31
Gottlieb Gellemann 1832-36
Joh. Georg Strorigl 1832
Samuel Eckel 1833-34
Georg Strorigl 1835-38
Tobias Prujmann 1837-43
Gottlieb Gellemann 1838-34
Joh. Georg Strorigl 1841-42
Michael Trackl 1842-?
Samuel Strorigl 1856-58
Michael Prujmann 1856-62
Samuel Wilfing und Joh. Schönfeldinger 1862-65
Tobias Posch und Samuel Kobermann 1865-68
Tobias Posch und Joh. Kobermann 1868-72
Joh. Kobermann und J. Trackl jun. 1876-80(?)
Matthias Thumberger 1880-83
Matth. Kolb (gestorben als Kirchenvater) 1897-1901
Math. Buchhaas 1899-1902
Mich. Reitter 1901-1903
Math. Kolb jun. 1907
Johann Prinner und Matth. Kammer
Joh. Kammer 1911-34
Gottlieb Wilfing u. Gottlieb Buchhaas 1934-46

Kircheninspektoren (Lokalinspektor) sind uns bekannt:

Michael v. Török, Ödenburg 1802-24
Andreas v. Fabrizy, Magistrat und Bürgerm. in Ödenburg 1824-40
Carl Heimler, Advokat in Ödenburg 1867-?
Oskar Renner, Ing. in Budapest 19?-1946

Der bekannte Kirchendiener:

Matth. Krenner, gestorben als "Meßner" 1783-1791
Gottlieb Ruiß, "Kirchendiener u. Meßner" 1808
Joh. Georg Ebner, Schneidermeister und Meßner 1827-54
Joh. Kolb, "Schneidermeister und Küster" 1855-?
Friedrich Toth, "Schneidermeister u. Kirchendiener" 1873-76
Matth. Wilfing, "Kirchendiener" 1876-85?
Matthias Kolb, "Kirchendiener" ?-1913
Michael Sturtz 1914-1946

Quelle:"Harkau - mein Heimatdorf ",
die Geschichte eines deutschen Bauerndorfes in Westungarn
Andreas Schindler (1987)

Wenn ein Kind geboren, ein Brautpaar getraut wird, ein Mensch stirbt, so wird das im Standesamt eingetragen. Die Behörde bekundet die Geburt, die Eheschließung und den Todesfall. In Ungarn wurde das staatliche Standesamt - sehr zum Unwillen der Kirchen - am 30. Okt. 1895 eingeführt. Vorher, etwa vom 17. Jahrhundert an, wurden diese für den Personalstand so wichtigen Ereignisse in den Matrikelbüchern der Kirchen eingetragen. Die Matrikelbücher mußten vom jeweiligen Pfarrer der Gemeinde geführt werden. Auch heute noch gehört es zur Aufgabe des Gemeindepfarrers, die Taufen, Trauungen und Sterbefälle der Pfarrgemeinde in das Matrikelbuch einzutragen.

Aus den Matrikelbüchern erfahren wir auch oft, die Namen der jeweiligen Hebammen. Nicht selten waren sie es, die dem Neugeborenen die Nottaufe erteilen mußten. Dies notierte der Pfarrer im Matrikelbuch. Oft fügte er aber auch im Sterberegister eine Bemerkung an, z. B. "nachdem sie 30 Jahre Hebamme in Harkau war" (bei Susanna Mahder). Namentlich sind uns folgende Hebammen bekannt (In Klammern das Jahr der Erwähnung):