Die meisten Heimatforscher bezeichnen in den von ihnen herausgegebenen Heimatbüchern nur das von Maria Theresia 1765 herausgegebene Urbarium als "Urbarium". Sicher ist dies auch das bekannteste in ganz Ungarn. Jedoch gab es schon Jahrhunderte früher solche. Jenny I Ilona bezeichnet mit Recht auch viele vorher zustande gekommene "Urbarien" als solche. Laut Brockhaus versteht man unter "Urbarium das Verzeichnis der Zinseinkünfte", es stammt von "Urbar (von ahd. erbean = Ertrag bringen) das, im MA die Einkünfte von Grund und Boden" bezeichnete. So gesehen können wir die "Harkauer-Untertanen-Listen" der Stadt Ödenburg aus den Jahren 1451 und 1558 u.a. auch als "Urbarium" bezeichnen.

Nach der Niederwerfung der ungarischen Revolution im März 1848 wurden neue Gesetze verabschiedet, laut welchen die Leibeigenschaft" mit ihren Robath und Naturalabgaben abgeschafft wurden. Im Ungarischen wird nur der Ausdruck "jobbágyság", d. h. "Leibeigene" benutzt, während wir im Deutschen differenzieren und die Ausdrücke: Leibeigene, Hörige, Fronbauer, Lehensbauer, Untertanen kennen. Wir halten uns meistens an den Ausdruck "Untertanen", weil dieser auch der rechtlichen Stellung eher entspricht als der Ausdruck: "Leibeigene". - Das Urbarialsystem wurde aufgehoben.

Aufgrund des Urberial-Patents von 1853 ging also das Urberialfeld in das Eigentum der Untertanen über, und der Grundherr (die Stadt) erhielt staatliche Entschädigung. Nach einer letzten Zusammenstellung vor dem Erscheinen des Patents hatte Ödenburg im Jahre 1847 von seinen Stadtdörfern jährlich folgende Leistungen zu erhalten (und die sollten nun wegfallen)

Die Rottfelder lagen natürlich auf der Gemarkung der Gemeinde, diese jedoch war Eigentum des Grundherren. Die Stadt als Grundherr wäre berechtigt gewesen, diese Rottfelder für den Preis der "Rodarbeiten", um pagatellen Preis einzulösen, wie das ein großer Teil der Privatgrundherren dies schon jahrzehntelang vorher getan hatte. Auf, bzw. von diesen Feldern hatten die Grundbesitzer zum größten Teil ihre Meierhöfe eingerichtet, so z. B. Fürst Eszterhazy den Hermannshof zwischen Harkau und Girm. Da aber die Stadt in Geldnöten war, war sie gerne bereit, "die Rottfelder auf ewige Zeiten" den vorherigen Untertanen und Benutzern zu überlassen. Natürlich nicht umsonst(!), sondern das Joch (je 1200 Quadratklafter) zu 60 Gulden, in Harkau und Klingenbach zu je 57 fl. Das war natürlich das Geschäft für die Stadt; der Grund und Boden war viel zu teuer. Die Stadt bekam nämlich für ihre U rberialfelder nur 30 fl pro Joch und das nicht in bar, wie wir gesehen haben, sondern in Obligationen, deren Realwert viel geringer war als deren Nennwert. Außerdem mußte der Betrag für die "Rottfelder" von den Bauern direkt, nach einer bestimmten Laufzeit an die Stadt entrichtet werden. Natürlich wurde der fällige Betrag verzinst.

Auch die Hutweiden gingen in das Eigentum der Gemeinde über. Die Größe der Hutweiden sie wurde den Gemeinden, entsprechend der Urberialfelder, zugeteilt. Die Hutweiden betrugen in Harkau 301,3 Joch zu 1200 Klaftern. Laut"Commassierungs-Grund buch Harkau" (aus dem Jahre 1854) und des Absonderungsvertrages von Harkau gibt laut "abgeschlossenen Vergleich auf die vormalige Herrschaft nach jeder Ansässigkeit sieben Joch Weide und außer dieser Gebühr sechs Joch Geschenk für Friedhof, Baumschule und andere Gemeindezwecke". Zusammen erhielt Harkau von der Stadt 367,2 Joch zu je 1200 Quadratklafter.

Über die Ablösung der Weinberge, "des Bergrechtes", die Flächengröße der abgelösten Weinberge, die zum Teil auch Eigentum der Stadt waren, stehen uns leider verhältnismäßig wenig Unterlagen zur Verfügung. Harkau mußte für Weinberge auch nur den Ablösungsbetrag von 230,40 fl an die Stadt bezahlen. Der niedrige Betrag ergibt sich dadurch, daß der größte Teil der Harkauer Weinberge unter die Rubrik "Rottfelder" gehörte (siehe dort!), andererseits besaßen noch viele Ödenburger Bürgerfamilien privat ziemlich viele Weinberge im "Harkauer Gebirg", wie die Weinberge genannt wurden, (Siehe dazu Baron Schilsons Weinberge-Verkauf um 1780 und die Liste der Eigentümer Harkauer Bodens im Protokoll aus dem Jahre 1789 bei "Urbarium"!). Die Bürger hatten diese ihre Weinberge auf Harkauer Gemarkung später privat - nicht über die Stadt - an Harkauer Bauern verkauft. So nannte z. B. die Farn. Komad Kappel bis 1945 einen ihrer Weinberge, den "Fabrizyschen", weil dieser schon vor 1900 von der reichen Bürgerfamilie Fabrizy gekauft worden war.
 
Quelle:"Harkau - mein Heimatdorf ",
die Geschichte eines deutschen Bauerndorfes in Westungarn
Andreas Schindler (1987)

Es gab in der Harkauer Gemarkung auch noch "Bürgerfelder". Diese gehörten meist Ödenburger Bürgern und wurden später auch wie viele Weinberge privat an Harkau verkauft. Zu den Bürgerfeldern gehörten in Harkau: Kegel- oder Zeiselacker, Winkelacker (zusammen 15 Eigentümer), Gaisbachwiesen (zus. 82 Eigent.), Jesuitenacker (zus. 23 Eigent.), Tschakanerische-Wiesen (gehörte damals Paul Handler und den Scheibringer Erben, beide Ödenburg), Hofwiesen; zusammen 243996 Quadratklaftern (siehe Protokoll von 1789 - bei Urbarium). Außerdem behielt sich die Stadt noch 241,60 Joch Acker, 65,99 Joch Weide und 122,10 Joch Wald zurück, die aber später meistens an die Harkauer Bauern verkauft wurden. Solche Felder waren: die Kreuzäcker, Hausäcker, Gaisbachäcker, Tiergartenäcker und Tiergartenweiden. Außerdem gab es noch "Freigründe", hierher gehören "Unproduktives", wie der Teich, Mühl- bach, Hofwiesen-Wasserlauf und die Feldwege. Auch behielt sich die Stadt die "Tränke" (unweit des Brandmeierhofs) mit 4760 Quadratklaftern zurück
 
Quelle:"Harkau - mein Heimatdorf ",
die Geschichte eines deutschen Bauerndorfes in Westungarn
Andreas Schindler (1987)

Als Harkau aus seiner Ödenburger "Untertänigkeit" ausschied, bekam es 400 Katastraljoch Wald. Natürlich ging die Ablösung des Waldes auch nicht so glatt über die Bühne. Das "Königliche Patent" ordnete an, daß "das Flächenmaß der für die gewesenen Unterthanen auszuscheidenden Wald-Antheile...' so groß sein soll, daß die Untertanen so viel Holz erhalten, wie sie bisher auch aus dem gemeinschaftlichen (Stadt-) Wald erhalten hatten. "Hierbei ist jedoch der Grundsatz festzuhalten, daß in der Regel für eine ganze Ansässigkeit keine geringere Fläche als 2 Joch und keine höhere als acht Joch, das Joch zu 1200 Quadratklafter gerechnet..., auf keinen Fall jedoch über zwölf Joch... bestimmt werden dürfe..."

In Harkau gab es bis zur Aussiedlung zwei Wirtshäuser und jeweils einen ,.Buschenschank" oder "Schenkhaus", wie man den Buschenschank in Harkau nannte. (In Württemberg nennt man es Besenwirtschaft" mit dem Unterschied, daß in Harkau im Buschenschank keine Speisen, auch keine"Brotzeit" angeboten wrude.) Wie ich bereits beim Urbarium berichtete, besaß die Stadt auch in jedem Stadtdorf ein Wirtshaus, oder wenn darin auch Übernachtungsmöglichkeiten vorhanden waren, ein "Gasthaus".In Harkau hatte die Stadt ein ansehnliches Gasthaus mit vier Zimmern, einem großen Weinkeller und größeren Nebengebäuden, wie Ställe, Schuppen, Schweineställe, so daß die Händler, die die Ödenburger oder andere Märkte an besuchten, ihr Vieh hier einige Tage zum Ausruhen unterbringen konnten (es wurde aber auch bei Bauern "eingestellt"!). Außerdem "kamen schon seit dem Mittelalter viele Händler auf die Harkauer Märkte, von denen manche die Gastwirtschaft und ihre Ställe in Anspruch nahmen" (Dr. Horvath).

Aufgrund meiner Forschungen im Archiv der Stadt Ödenburg, in den Matrikelbüchern, sowie aus Erinnerung einiger Landsleute konnte ich verhältnismäßig viele Harkauer Wirte namentlich erfassen. Bei den Wirten nach dem Ersten Weltkrieg stützte ich mich, hauptsächlich bei den Jahreszahlen auf die bewährte Hilfe von Oskar Trackl, Wetter.