Laut Friedensvertrag mit Österreich (in St. Germain am 10. September 1919) sollten die deutschsprachigen Gebiete in Westungarn mit der Hauptstadt Ödenburg an Deutsch-Österreich angeschlossen werden. Da der Friedensvertrag mit Ungarn erst am 6. Juni 1920 in Trianon geschlossen und die Übergabe Westungarns an Österreich erst für den 21. August 1921 festgelegt worden war, blieb viel Zeit, um ungarischerseits den Anschluß Westungarns an Österreich vielleicht doch noch verhindern zu können. Besonders die Freischärlergruppe, die "Héjas banda" terrorisierte die Gegend.

Wie ich bereits in anderen Kapiteln (Ende der Lehensherrschaft) und in der "Chronik von Harkau" bei der Auswanderung geschrieben habe, begann der wirtschaftliche Niedergang der Gemeinde in der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts. Die Ablösungssummen für die "Robath" (Frondienst), die über die Steuern an den Staat, und für die "Rottfelder", direkt an den früheren Grundherrn, an die Stadt, zu entrichten waren, die Geldknappheit mit ihren hohen Zinsen in den 70er und 80er Jahren des vorigen Jahrhunderts, die Reblaus (Phylloxera), die die Weinberge vernichtete, die dann für teures Geld wieder neu ausgesetzt und bearbeitet werden mußten, ohne daß sie einige Jahre auch nur die geringsten Erträge gebracht hätten und anderes mehr, brachten große Armut in das frühere doch wohlhabende bäuerliche Dorf. Viele Bauern kamen um die Jahrhundertwende um ihr Hab und Gut, um ihr ganzes Vermögen. Andere waren tief verschuldet. Sie versuchten, in Amerika als "Fremdarbeiter" so schnell wie möglich Geld zu verdienen, um dadurch den Hof vor der Zwangsversteigerung zu retten. Wieder andere standen schon am Rande des Ruins und konnten nur durch die Geldentwertung während des Krieges ihr Vermögen wieder entschulden.

Leider hatten die Magyaren nach der "Zerstückelung Großungarns", nach dem Ersten Weltkrieg, nach dem auch für sie so verheerenden Trianoner Friedensvertrag ihre Nationalitätenpolitik in ,;Rumpfungarn" kaum zum Wohle der restlichen Nationalitäten verbessert. Im Gegenteil! Sie wurde unter Horthy noch verschärft.

Im Jahre 1937 war Dr. Pranz Basch Generalsekretär des UDV. Auch er stammte - wie Prof. Jakob Bleyer - aus dem Banat, das 1919 z. T. an Jugoslawien, z. T. an Rumänien angeschlossen wurde. Wegen seiner Äußerungen gegen die Namensmagyarisierung: "Wer seines Vaters Namen nicht ehrt, ist seiner Ahnen nicht wert", wurde er zu 5 Monaten Kerker (!) verurteilt. "Dieses Urteil nahm der Regierungsbeauftragte und Vorsitzende des UDV, Dr. Gratz zum Anlaß, Dr. Basch zu entlassen. Die Männer und Studenten dieser volksdeutschen Richtung traten da- rauf aus dem UDV aus oder wurden ausgeschlossen..." (Dr. Weidlein: Archiv 1981, S. 38. Siehe darüber ausführlich in Dr. Weidleins, Schorndorf, zahlreichen Schriften!)