Infolge seiner grenznahen Lage und guten Schienenverbindung fassten die Hersteller von Kriegsmaterial, die zur Dislozierung ihrer Produktion verpflichtet waren, bereits im Sommer 1944 Agendorf ins Auge. Auf seine größeren Gebäude warfen der Landesinspektor der ungarischen Kriegsmaterialherstellung sowie auch ihre deutschen Interessenten ein Auge.

mosaik p045aDie Zeitung Soproni Hirlap schreibt in der Ausgabe vom Freitag, 3. November 1944: Auf der Gemeinde Agendorf fielen Bomben! Es sind mehrere Tote und Verletzte sowie Schachschaden zu beklagen. Der Obergespan und die Leitung der Stadt Ödenburg erteilten unverzüglich Anweisungen vor Ort. Einzelheiten über die Bergungsarbeiten. Offiziell wird gemeldet: !!.40 Uhr Mittwochvormittag, kleiner Alarm in Ödenburg, 14:45 Uhr Entwarnung. Feindliche Flugzeuge überflogen das Stadt- und Komitatsgebiet in größerem Verband, im letzteren Bereich kam es zu feindlichen Aktivitäten. Ein Flugzeug trennte sich vom Verband und warf Bomben auf Agendorf, die westlichste Gemeinde von Ungarn. Nach den eingegangenen Meldungen begaben sich Obergespan Vilmos Várpalotai, der Stadtleiter Ödenburgs der Pfeilkreuzlerpartei Hungaristenbewegung, Feuerwehrkommandant Karl Obendorff in die vom Bombenangriff getroffene Gemeinde, wo sich den Eintreffenden ein sehr trauriges Bild bot. Unterdessen traf der Rettungsdienst, die Feuerwehr aus Ödenburg, ein und konnte mit den Bergungsarbeiten beginnen.

Das Dorf erlebt zur Zeit des zweiten Weltkrieges seine schwersten Prüfungen, seine schwersten Jahre. Der größere Teil der männlichen Bevölkerung ist in der Landwirtschaft beschäftigt und findet in den Kohlenbergwerken von Brennberg Arbeit, die Frauen hingegen tragen die in der Landwirtschaft, im Forst sowie in der Heimindustrie hergestellten Erzeugnisse auf den Markt in Ödenburg. Zur Winterzeit verrichten sie 5-7 Kilometer von zu Hause entfernt Waldarbeiten, beinahe für einen Hungerlohn, der häufig kaum einen Pengö übersteigt.

Der arme Baracsi lag die ganze Nacht im Blut erstarrt am Ufer des Grabens. Am nächsten Tag ließen der als Geisel genommene evangelische Dechant und Parlamentsabgeordneter Eugen Scholtz und der katholische Pfarrer Josef Steiner den Kleinrichter (Er stand im Ruf eines gefährlichen Vaterlandsverräters; später wurde er von den Aufständischen überall gesucht, er flüchtete aber mit den Österreichern!) kommen und wiesen ihn trotz seiner fürchterlichen Schimpfungen an, den Mann unverzüglich in die Leichenkammer zu bringen.

Nach dem Friedensschluss von Trianon begannen die Österreicher mit der Besetzung der ihnen zugesprochenen Gebiete. Am 21. August 1921 überschritten Gendarmerie und Zollwache in 11 Kolumnen die Grenze und begannen mit der Besetzung. Iván Hejjás und seine Gendarmerie zwangen die österreichischen Besatzer zum Rückzug.

An die folgende interessante Geschichte erinnert man sich sowohl in Agendorf als auch in Sopronkövesd. Matthias Schmidt und sein Sohn Mathias Schmdit jun. aus Agendorf arbeiteten bei der Eisenbahn, das war ihre Dienststelle. Die Agendorfer Schmidts verrichteten auch während der Diktatur des Proletariats ihre Arbeit. Der berüchtigte, blutrünstige Volkskommissar Tibor Szamuely hatte im Röjtöker Schloß im Komitat Ödenburg sein Hauptquartier aufgeschlagen. Von hier aus fuhr er mit seinem mit Maschinengewehr ausgerüsteten Auto durch das von ihm geleitete Gebiet, um konterrevolutionäre Bewegungen zu ersticken. Einmal kam er nach Spronkövesd. Da er vom Regierungsrat mit Vollmacht ausgestattet war, hielt er ein Revolutionstribunal ab und ließ aufgrund dessen Urteil die beiden Agendorfer Eisenbahner zum Tode verurteilen. Die Anklage lautete, dass sie auf dem Gleiskörper Schienenschrauben entfernt hätten, was aber nicht der Wahrheit entsprach. Am 7. Juni 1919 ließ er sie in der Hauptstrasse von Sopronkövest erhängen.

Die Kriegsereignisse des ersten Weltkrieges waren weit entfernt, aber die Bevölkerung verspürte den Mangel der eingerückten männlichen Arbeitskräfte. Der Krieg setzte der friedlichen Entwicklung ein Ende. Am 2. August 1914 setzte sich der erste Soldatenzug aus Agendorf in Bewegung. Es war Sonntag, warm und heiter, als die Bevölkerung der Gemeinde ihre Söhne verabschiedete. Am Montag, 3. August, fuhr der zweite Zug ab. Im Namen der Einrückenden bat der Soldat Michael Holzhofer die Bevölkerung der Gemeinde, die Namen der im Krieg Gefallenen durch die Angabe ihrer Truppe zu verewigen. Das versprachen die Einwohner der Gemeinde und lösten später, 1925, ihr Versprechen ein. Die soziale Lage der Familien der Eingezogenen verschlechterte sich immer mehr. Die Kriegshilfe traf immer später ein. Die letzten Agendorfer rückten am 24. August ein. Auch mein Großvater, Matthias Böhm, war im Krieg. Mein Vater war zu der Zeit drei Jahre alt.

schlacht_018. September 1921
Im Morgengrauen fiel der erste Schuss. Und dann brach die Hölle über Agendorf herein. Über eine Stunde dauerte das Gefecht im und um das Dorf, das man später etwas übertrieben die „Schlacht von Agendorf“ nannte. Auf ungarischer Seite machte man daraus eine Heldengeschichte. Das Gefecht endete mit einem Toten auf Seiten der österreichischen Gendarmerie und drei Toten auf der Seite der Freischärler. Beide Seiten hatten zahlreiche Verwundete zu beklagen. Die Gewehr- und Maschinengewehrsalven ließen die Ziegel von den Dächern fliegen, die Häuser hatten zahlreiche Einschusslöcher, Bäume und Sträucher waren zerfetzt. Besonders das Dach der evangelischen Kirche wurde stark beschädigt. Es lag direkt in der Schusslinie des Maschinengewehres, das die Freischärler auf dem Hausberg aufgestellt hatten.