Die Auswanderung nach Amerika wurde in den 90er und in den darauf folgenden Jahren regelrecht zu einer Epidemie. Die Auswanderungsagenten suchten die Gemeinden der einzelnen Gegenden wie Heuschwärmer auf, die Verwaltungsämter konnten kaum die Ausstellung der Reisepässe bewältigen.

Einige Angaben aus der Statistik um die Jahrhundertwende: 

  • Fläche der Gemeinde: 1902 Kastraljoch
  • Zahl der Einwohner: 1816, 874 Männer, 924 Frauen, davon 325 Kinder unter sechs Jahren
  • Aufteilung nach der Muttersprache: Deutsche: 1760, Ungarn 57, Kroaten: 4, Slowaken 3, sonstige 2.
  • Aufteilung nach Konfession: ev.: 1545, kath.: 251, Juden: 20
  • Schreiben und lesen konnten 1334
  • In der Gemeinde gab es 278 Wohnhäuser
  • Zahl der Bergarbeiter in der Brennberger Grube: 156
  • Zahl der zu versorgenden Familienmitglieder: 262

1832 wütete eine grausame Epidemie in der Gemeinde. Ihr fielen vom 16. Juli – 12. September 92 Menschen zum Opfer. Das erste Opfer war der Bauer Michael Plechl (78 Jahre). Am letzten Tage starb der Bauer Georg Lagler, im Alter von 52 Jahren. Zahl der Opfer: Agendorf 92 (902 ev. Einwohner), Wandorf 29 (672 Einwohner), Loipersbach 35 (503 Einwohner).

Der erste Stempel des Dorfes als Verwaltungseinheit ist aus dem Jahre 1778 bekannt. Im Stempel der Leibeigenengemeinden kamen am häufigsten Landwirtschaftsgeräte, Berufe der Dorfbevölkerung oder auch die Umgebung darstellende Bilder vor. Der Stempel Agendorfs wich davon ab. Zwischen 1774 und 1785 waren die meisten Richter noch Analphabeten. Die Aktenstücke fertigte der Lehrer und Notar an. In jenen Dörfern, in denen die meisten Einwohner deutsch sprachen, war die Aufschrift im Gemeindestempel deutsch. GEMEIN + AGENDOF

Die erste schriftliche Erwähnung des Namens des Dorfes erfolgte nach unseren gegenwärtigen Kenntnissen im Jahre 1194. Damit beschäftigt sich eine Urkunde, so ist mit Recht anzunehmen, dass die Siedlung als „Ödenburg“ schon vorher existierte. Soviel ist sicher, dass die Gemarkung schon Spuren von Menschen aus der Zeit der Römer bewahrt. Der Banus Domonkos gründete die Abtei von Kedhely, d.h. von Borsmonoster. Text der Urkunde (Neues Urkundenarchiv der Arpadenzeit):

Die Geschichte des mittelalterlichen Agendorf vom 13. bis in das 15. Jahrhundert ist eng mit der Geschichte des Kleinadelsgeschlechtes der "Agendorfer" verbunden, die sich nach dem Ort benannten. Alle Urkunden, die aus dem Mittelalter zur Verfügung stehen, beziehen sich auf diese Familie. Über den Ort selbst und seine Bewohner weiß man nur wenig. Aber das ist auch in den meisten anderen Orten so. Erst mit dem Auftauchen der ersten Urbare in der frühen Neuzeit und mit dem Übergang Agendorfs in den Besitz der königlichen Freistadt Ödenburg werden die Informationen dichter.

Die Benennung einer Siedlung nach einer Person, nach dem Gründer oder Besitzer, ist auch im deutschen Neusiedlungsgebiet des Ostens geradezu die Regel. Im Osten Österreichs und auch in Westungarn gibt es hunderte Beispiele dafür. Der Personenname tritt oft in Kombination mit dem Zusatz –dorf, -bach. –berg, -kirchen, -reuth, -schlag usw. auf (Guntramsdorf, Gumpoldskirchen. Walbersdorf (Dorf des Wolbrun), Pottendorf, Podersdorf (von Both/Bodo), Frankenau, Mannersdorf, Loipersbach (Luitpoldesbach), Ottenschlag, aber auch ohne Zusatz, in genitivischer Form (Großgerungs. Großpertholz, Wolfs ...).

 

schuh 01Johann Schuh wurde am 17. Mai 1864 in Schattendorf als erster von 10 Söhnen von Sebastian Schuh und seiner Ehefrau Elisabeth geboren. Im Jahr 1909 gründete der „Müllner-Schani“, wie Johann Schuh von der Bevölkerung genannt wurde (sein Vater war Besitzer der „unteren“ Mühle in der Hauptstraße), die „Sodawassererzeugung Johann Schuh“. Nach seinem Tod im Jahr 1930 übernahm sein Sohn Josef das Geschäft.