In einem in Budapest gefertigten Urkundenverzeichnis befindet sich in Ödenburger Stadtarchiv eine Urkunde aus dem Jahre 1277. In ihr wird unser Heimatdorf "Zuan" genannt. Es ist die erste urkundliche Erwähnung. Woher der Name kommt, welchen Ursprung er hat, ist nicht belegt. Deshalb ist die Behauptung, es handle sich um einen ungarischen Personennamen, etwas gewagt. So könnte man auch sagen: Es war ein slawischer Siedler, ein zurückgebliebener fränkischer Verteidiger oder ein bayerischer Mönch, die im schönen Tal von Wandorf ein zurückgezogenes, einsames aber ruhiges Leben suchten und ihrer Behausung den eigenen Namen gaben. Der Klosterberg war mit seinen Höhlen, dichten Wäldern ein idealer Platz für ein Eremitenleben (Einsiedlerleben). Historisch nachgewiesen ist, dass mehrere deutsche Mönche hier hausten, die frustriert vom Klosterleben das Abenteuer als Missionar in Ungarn suchten.

Im Ödenburger Stadtarchiv befinden sich etwa 20 königliche Urkunden und Schriften, die Wandorf vor der Katastrophe von Mohács (1526) betreffen. Sie wurden mit den anderen Urkunden der Stadt von Dr. Hazi Jenö, Stadtarchivar, veröffentlicht. Aus diesen stammen folgende Daten:

Die Gemarkung wurde bei dieser Dorfbegehung nicht gemessen, sondern abgeschritten. Der Umfang der Gemarkungsgrenze betrug 25819 Schritte. Als Nachbarorte wurden damals Ritzing (Burgenland) und Harkau genannt, obwohl, wie wir heute wissen, dass beide Gemeinden nicht an den Wandorfer Hotter angrenzen. Insoweit geben diese Eintragungen ein Rätsel auf. Sümeghy-Rozsondai nannten in ihrem Buch die reichsten Familien aus dieser Zeit. Es waren dies: Leyrer, Wödl, Graf, Steiner, Münnig, Mühl, Rath und Schwenkh.>/div>
 
Quelle: Wandorf - Geschichte und Entwicklung
Die Geschichte und Entwicklung eines ehemaligen Stadtdorfes Ödenburgs
Hans Degendorfer, Matthias Ziegler (1991)
 

Bei der Beschreibung der Entstehung der ersten Ansiedlungen und der Ausdehnung des Dorfes sind wir im wesentlichen auf die geopolitischen Gegebenheiten unseres Ortes angewiesen. Im Mittelpunkt dürfte zweifellos der Klosterberg gestanden haben, von wo schon die Römer ihr Wasser nach Ödenburg leiteten.

Die Dorfanlage von Wandorf zeigt nicht das typische Bild einer südosteuropäischen Kolonistensiedlung. Die Besonderheit von Wandorf hat ihre Ursache in der unebenen, hügeligen Geländeform der Wandorfer Gemarkung und in der geschichtlichen Entwicklung des Dorfes. Die Ansiedlungen in Wandorf sind seit dem frühen Mittelalter das Ergebnis phasenweiser, individueller Gestaltung, die von keinem Grundherren oder staatlichen Instanz nach einem einheitlichen Siedlungsplan ausgerichtet wurden. Nur die Bauernhäuser im Gewann "Dorf" (Mitte des Ortes) und die auf der linken Seite der Kirchgasse (Richtung Ödenburg) haben die Merkmale eines einheitlichen Planes und Baustils. Alle anderen Häuser sind individuelle, frei errichtete Bauten im Laufe der Jahrhunderte.

Entlang der "Langhäuser" befand sich der langgezogene Hof, der zur Straße hin häufig mit einem Holztor abgeschlossen wurde. Bei den Querhäusern (Zwerchhaus) befand sich der Hof hinter dem Haus. Die Räume waren in den ersten Häusern wie folgt angeordnet: Zur Straße hin war die "gute Stube", dann folgte die Küche, die später mit Fließen ausgelegt wurde. Es folgte die sogenannte Sommerstube und dann die "Sommerküche". An diese war der Stall angebaut, manchmal auch ein Geräteschuppen. Mit Abstand kamen die Schweineställe und der Geflügelstall. Am Ende des Hofes standen die Scheunen. Hinter diesen befand sich noch ein Obstgarten und Gemüsegarten. Zum Hof gehörte auch ein Preßhaus mit Keller und ein selbst gegrabener Brunnen, der in unterschiedlichen Formen errichtet wurde.

Die Landarbeit war vor Einführung von Motorenkraft im wesentlichen Handarbeit der bäuerlichen Bevölkerung. Sie war schwer und erforderte Mitarbeiter. Selbst die einfachen, wenigen Maschinen wurden durch körperliche Kraft betrieben. Für die heutige Generation ist es kaum mehr vorstellbar, wie der Alltag einer bäuerlichen Familie in der Vergangenheit ausgesehen hat. Ein Bericht darüber klingt aus heutiger Sicht'" wie eine Sage aus weit zurückliegenden Tagen.>/div>

Mit der Einführung des Motors wurde die Arbeit der Bauern nicht nur erleichtert sondern die Dreschzeit wesentlich verkürzt. Es war der Sägewerksbesitzer Johann Ziegler, der in Wandorf die erste motorgetriebene Dreschmaschine in den Dienst der Bauern stellte. Dies war Anfang der 30er Jahre (1930). Die erste Maschine stand in Wandorf auf den Zehäckern, hinter dem Haus vom Reitter-Wagner. Die Wandorfer Bauern stellten sich bald um und brachten ihre Frucht zur Ziegler' schen Dreschmaschine. Als Gegenleistung verlangte der Besitzer Naturalien mit denen er auch seine Arbeiter entlohnte.

Da die Einwohner der Gemeinde Wandorfs Deutsche waren, waren natürlich auch die Flurnamen deutsch. Sie stehen in enger Beziehung der Besiedelung und der Geschichte der Landwirtschaft der Gemeinde. Ungarische Flurnamen tauchen nirgendwo auf, ein weiterer Beweis dafür, dass Wandorf von Anfang an deutsch besiedelt war. Die Bezeichnungen im einzelnen:

Urkundliche Nachweise aus früheren Jahrhunderten sind nur vereinzelt gefunden worden. Aus ihnen wissen wir, dass an der Stelle der Waldmühle schon im Jahre 1482 eine Wassermühle stand. Aus dem Buch von Dr. Hazi Jenö "Soproni polgárcsaládok 1535-1848", zu deutsch: Ödenburger Bürgerfamilien zwischen 1535-1848, geht hervor, dass der Wandorfer Leibeigene und Müllner Georg Aumüllner in der Mitte des XVII. Jhdts. (1650) die Mühle des Pauliner-Ordens betrieben hat. Wo diese Mühle genau gestanden hat, ist nicht bekannt. Der Name Aumüllner kommt von der "Aumühle" die in der Nähe von Wandorf gestanden haben soll. Die Nachkommen des Müllners wurden alle Bürger von Ödenburg.

Neben der Urbarialgemeinde (Waldgemeinschaft der Bauern) fungierte noch die politische Gemeinde. Ihre Organe, wie Richter (Bürgermeister), Geschworene (Gemeinderäte), waren für alle Einwohner der Gemeinde zuständig.
 
In Ungarn haben sich im 14.-15. Jhdt. drei Typen der politischen Gemeinden herausgebildet. Es gab die "adligen" Gemeinden, die "Marktflecken" und die Leibeigenen-Gemeinden.