In der Wandorfer Gemarkung befand sich auch noch die Staatliche Internatsschule "Országos Gyermekvédö Liga Széchenyi Fiuotthona" mit 6 Joch Areal, in der anfangs herumstreunende, schwer erziehbare Kinder, ab 1931 aber sogenannte Musterschüler untergebracht waren. Auf dem schönen Grundstück (rechts von der Allee) befanden sich ein Gebäude mit Küche, Wirtschafts- und Ziergarten und ein Spielplatz. Aufnahmefähigkeit: 60 Schüler.

Ausbau des Schulwesens
Pfarrer Josef Kalchbrenner (1809-1819) setzte in Agendorf und in den Filialgemeinden von Anbeginn seines Wirkens allen Fleiß auf den weiteren Ausbau des Schulwesens. Da von Seiten der Filialgemeinden Wandorf und Loipersbach öfters Klagen in Anlehung ihres Schulwesens einliefen, hielt er am 21. Februar 1810 eine Schulkonferenz ab, wobei die Lehrer aus allen drei Ortschaften anwesend waren. "Bey dieser Gelegenheit wurden ihnen ihre Pflichten vorgetragen und die Erfüllung derselben eingeschärft, es wurden die Lehrgegenstände vorgegeben und beschlossen, daß alle Jahre um Ostern in allen drei Ortschaften eine öffentliche Prüfung mit der Schuljugend angestellt werden soll." Von da an wurde in Wandorf stets am Palmsonntag Schulprüfung gehalten, worauf mit den Schulentlassenen der Konfirmandenunterricht begonnen wurde.

Neben den 3 Schulen gab es in Wandorf auch einen Kindergarten, der um das Jahr 1922 im sogenannten Annenhof (später Gendarmerie) untergebracht war. Bei schönem Wetter spielten die Kinder auf dem etwas erhöhten Spielplatz, bei schlechter Witterung in den Innenräumen, wobei manches Liedchen oder Spielchen gelernt wurde. Diese Stücke kamen in der Weihnachts- oder Osterzeit vor der geladenen Elternschaft zur Aufführung.

a) Finanzielle Angelegenheiten
Die Kirchengemeinde kam während des 1. Weltkrieges und in den kritischen Zeiten danach schwer, aber getreulich den der Schule gegenüber übernommenen Pflichten nach. Die Schülerzahl stieg kaum mehr an. Eine Erweiterung der Schule war nicht mehr nötig, doch im Jahre 1925 wurde sie mit dem Turm zusammen mit großen Kosten gründlich renoviert. Die Gemeinde tat viel für ihre Schule, so daß in den dreißiger Jahren die Wandorfer Schule die ordentlichste in ländlicher Hinsicht war: eine gut führte sechsklassige Volksschule.

Dank der Wandorfer Schulen war die Zahl der Analphabeten gering, sie betrug nur 1% der Bevölkerung. In der letzten Zeit konnte man einen enormen Fortschritt verzeichnen. Während um 1910 70% der Bevölkerung schreiben und lesen konnte, waren es bei der Volkszählung 1930 94%, 1935 schon 99%.

Von der römisch-katholischen Schule besitzen wir nur vom Anfang des vergangenen Jahrhunderts an sichere Angaben.

Wenn die im Kloster ansässigen Paulinermönche für die deutsche Bevölkerung eine Schule unterhalten hätten, müßte doch irgendeine schriftliche Aufzeichnung überliefert sein, meint der letzte katholische Schulleiter Josef Sümeghy. Oder sind die betreffenden Urkunden verlorengegangen?

Obzwar die Geschichte unserer Heimatgemeinde Wandorf mit der Aussiedlung im Jahre 1946 für uns beendet ist, sei es mir hier gestattet, noch einige Sätze über den Fortbestand unserer ehemaligen evangelische! Schule zu sagen: Die "Volksschule" hörte 1948 auf zu bestehen, die evangelische und katholische Schule wurden zusammengelegt und vom Schuljahr 1949/50 an heißt sie "általános iskola" (Allgemeinbildende Schule! mit 4klassiger Unter- und Oberstufe. Im Jahr 1950 verblieb die Unterstufe im Schulgebäude, die Oberstufe wurde in den Räumen des ehemaligen "Truppenhospitals" untergebracht. 1985 erhielt die Schule in der Nähe der Stadtgrenze, gegenüber des" Truppenhospitals", ein neues Schulhaus.

Die dritte Schule auf dem Gebiet Wandorfs war die Waldschule. Das Schulgebäude und das 7 Katastraljoch große waldreiche Grundstück schenkte der Arzt-Professor Wilhelm Manninger der Stadt Ödenburg mit der Auflage, daß sie für Kinder, die zur Tuberkulose neigen, eine Waldschule gründe und erhalte.