Die Frage, ob die überlieferte Geschichte objektiv dargestellt sei, wird vielfach bezweifelt. Denn geschichtliche Abläufe wurden selten unabhängig von nationalen, politischen oder anderen Sinneszuweisungen niedergeschrieben. Und weil sie oft auch von professionellen Historikern zweckbestimmte Deutungen bekam, ist ihr wissenschaftlicher, auf Dokumenten basierender Wert fast völlig verdrängt worden. Dies trifft leider auch zu auf die bisherigen Darstellungen unserer Heimatgeschichte.

Die Ungarn kamen im Jahre 896 über die Karpathen in die satten Weidegründe der Donau und Theiß. Da sie Nomaden und Zeltbewohner waren, eignete sich dieses weiden- und wasserreiche Gebiet für ihre Ansprüche. Unter ihren Führern, Arpad und Almos, richteten sie sich hier ein und dehnten ihre Landnahme (honfoglalas) erst allmählich nach Westen aus. Sie kamen zu einer Zeit, als Europas Völker bereits feste Wohnplätze hatten, Ackerbau betrieben und schon fest gefügte Staats- und Verwaltungsgrundlagen aufgebaut hatten. Die Zeit der Völkerwanderungen war in Europa vorbei. In das friedliche Zusammenleben erscholl der Schreckensruf von einem wilden, asiatischen Reitervolk, das auf schnellen Pferden heranstürmte und mit unbekannter Kampftaktik jeden Widerstand brach.

huegelgrab 02Die naturgegebene, schöne Landschaft Wandorfs war schon zu allen Zeiten beliebtes Siedlungsgebiet. Davon zeugen Reste der in der Nähe Wandorfs gefundenen Erdburgen.
In der Stadt Ödenburg wurden zahlreiche Funde aus der sog. jüngeren Steinzeit-Neolith-Zeitalter (4000-?500 J. v. Chr.) ausgegraben. Aber auch in der näheren Umgebung von Ödenburg kamen Funde ans Tageslicht, die untrügliche Zeugen von Niederlassungen der Urmenschen sind. Es handelt sich um geschliffene Knochen- und Steinwerkzeuge, die zum Teil in Wien oder in Ödenburg aufbewahrt sind. Die meisten Funde stammen aber aus der Bronze- (2500-1500 v. Chr.) und der älteren Eisenzeit - Hallstatterzeit - (1000-400 J. v. Chr.), die hauptsächlich am "Burgstall" zum Vorschein kamen. Dieser Hügel befindet sich 1 km (Luftlinie) von Wandorf entfernt. Er zählt zu den herausragendsten Fundorten dieser Zeit in Mitteleuropa. Dort hat man etwa 150 Gräber geöffnet; die meisten sind noch geschlossen (Dr. Huber).

König Heinrich I. reorganisiert sein Reichsheer. Er baut Burgen und bildet neue Reitertruppen aus. Diese bestehen ihre Bewährung in den Kämpfen mit den Elbslawen. Als die Ungarn in den Jahren 919, 924, 926 erneut ins Reich eingefallen sind, fiel den deutschen Truppen ein ungarischer Anführer in die Hände, mit dem König Heinrich I. einen 9jährigen Waffenstillstand erzwingen konnte.

Diese Entwicklung verlief jedoch nicht immer friedlich. Nördlich der Donau wohnten die unruhigen Germanen, die Markomannen und die Quaden, die mit ihren ungestümen Kriegern immer wieder in das röm. Pannonien eingefallen sind. Bei Carnuntum (Petronell) erlitt der römische Feldherr Macrinius Vindex eine empfindliche Niederlage, die ihm selbst und 20000 seiner Soldaten das Leben kostete (Dr. Huber). Der römische Kaiser "Marc Aurel" bemühte sich selbst, die Markomannen zurückzudrängen. Nördlich des Plattensees schlug er sein Hauptquartier auf. Als ihm dies nicht mehr gelang, siedelte er die Eindringlinge in Pannonien an oder nahm sie in seine Gefolgschaft.

Nach der Niederlage zogen sich die Ungarn 40 km östlich von Ödenburg auf eine neue Verteidigungslinie zurück. Sie bestand aus dem Waasen (hanysag) ein Sumpfgebiet und dem Grenzverhau (gyepü). Bei Kapuvtir und Wieselburg ließen sie das feindliche Vorfeld beobachten. Die Ungarn selbst betrachteten dieses Vorfeld als deutsches Reichsgebiet, in dem immer noch Siedlungen aus der Karolinger-Zeit existierten. Es kann als sicher gelten, dass die Ungarn bei ihrer Neuorientierung auch ihre Zeltniederlassungen hinter die neue Verteidigungslinie zurückgenommen haben.

Die Besiedlung Pannoniens hat sofort nach der Beendigung der fränkischen Eroberung begonnen. Der neue Königsboden wurde an verdiente Krieger und an kirchliche Organisationen vergeben, die bei der Eroberung mitgeholfen hatten. Es waren Adelsgeschlechter fränkischer und bayerischer Herkunft, die die Ansiedlungen organisierten mit Menschen aus ihren eigenen Stammesgebieten. Den Siedlern ist es in drei Generation gelungen, eine Kulturlandschaft zu gründen, die Grundlage auch für spätere Niederlassungen sein konnte.