Mit dem Ende der Bedrohung durch Türken und Kuruzzen nach 1705 begann für Ödenburg erneut eine Zeit ruhiger Entwicklung. Man könnte das 18. Jahrhundert, die Zeit des barocken Ödenburg, das „silberne Zeitalter“ der Stadt nennen. Baulich wurde Ödenburg zur Barockstadt und ist es bis heute geblieben. Die Kirchen wurden barockisiert, was einigen, wie etwa der gotischen Michaelerkirche, nicht gut getan hat. Die Palais der Innenstadt und auch viele Bürgerhäuser erhielten Barockfassaden, besonders nach dem großen Stadtbrand. Die schönen Renaissance - Innenhöfe mit ihren Arkaden blieben aber zumeist erhalten.

In der Stadt verschob sich die konfessionelle Zusammensetzung der Bevölkerung erheblich zu Gunsten der Katholiken. Diese waren nunmehr in den höchsten Ämtern und im Stadtrat vertreten. Auch die kulturelle Dominanz der Evangelischen, die im 17. Jahrhundert eindeutig war, wurde durch das erfolgreiche Wirken der Jesuiten gebrochen. Die zahlenmäßigen Anteile der Konfessionen kann man für den Anfang des Jahrhunderts nur grob schätzen. Um 1605 waren von den etwa 8000 Einwohnern nur etwa 1000 katholisch. Hundert Jahre später dürften es bei 3000 gewesen sein und am Ende des 18. Jahrhunderts betrug der Anteil der Katholiken schon etwas mehr als die Hälfte der Bevölkerung.

Die Belagerung durch die Kuruzzen im Winter 1705/06 hatte schwere Schäden hinterlassen. Weite Teile der Stadt waren abgebrannt, Teile der Vorstadt lagen in Trümmern. Die Einwohnerzahl war beträchtlich geschrumpft, der Ausbruch der Pest unmitttelbar nach Abschluss des Friedens von Szatmár am 30. April 1711 kostete weitere Menschenleben. Die Pest beunruhigte die Stadt drei Jahre lang, auch wenn die Opferzahlen bei weitem nicht so hoch waren wie etwa in Wien oder Preßburg. Dazu trug auch eine Quarantänestation bei, die der damalige Bürgermeister Paul Johann Greiner beim Ungartor errichten ließ.

abb14Die Zerstörung durch die Kuruzzenbelagerung, die zahlreichen Stadtbrände (zwischen 1745 und 1797 fünf große Stadtbrände, denen große Teile der Vorstadt zum Opfer fielen), die wirtschaftlichen Rückschläge im Weinbau und Weinhandel hatten auch in baulicher Hinsicht eine Stagnation bewirkt, obwohl die Bevölkerung wuchs und besonders die Häuser der Vorstadt stark überbelegt waren. Auch aus den Stadtdörfern, denen es in der Zeit Maria Theresias wirtschaftlich schlecht ging und die von der Stadt mit schweren Lasten belegt wurden, strömten Menschen in die Stadt.

abb16Die Stadt reichte im 18. Jahrhundert allerdings noch immer nicht über die äußere Stadtmauer hinaus, wenn man von den Meierhöfen und Wirtschaftsgebäuden absieht, die vor der Stadtmauer wieder aufgebaut worden waren. In der Raaber und Wolfser Vorstadt hatte sich die Verbauung verdichtet. Neu angelegt wurde das Gässchen beim Vorderen Tor, an der Stelle von Vorwerkbauten. Die sägezahnartig angeordneten Häuser lassen vermuten, dass der Verteidigungszweck noch immer eine Rolle spielte.

Die kulturellen Äußerungen der Stadt waren im 18. Jahrhundert noch in hohem Ausmaß an die Kirchen und an die konfessionellen Schulen gebunden. Die Einheit kirchlicher Einrichtungen und Bürgerstadt musste nunmehr allerdings nach der konfessionellen Trennung neu organisiert werden.

Das Verhältnis zwischen den Konfessionen war, wie nicht anders zu erwarten, gespannt. Viel hing vom jeweiligen katholischen Stadtpfarrer ab. So wird berichtet, dass im Jahre 1744 Stadtpfarrer Hauser dem neu gewählten evangelischen Bürgermeister Johann Christoph Ruß den Amtseid abnahm. Als dieser einfach zu sprechen aufhörte, als der Text zu Maria und den Heiligen kam, ging der Stadtpfarrer darüber hinweg und stimmte das Te Deum an (nach Grete Maar, S. 114).

Neben den Jesuiten und Franziskanern wurden auch die Dominikaner in der Stadt aktiv. Sie ließen sich am Höhepunkt der Gegenreformation 1674 in der Stadt nieder und erwarben 1700 zwei Häuser in der Langen Gasse, wo das Kloster und in den Jahren 1719 bis 1725 vom Baumeister Lorenz Eisenkölbl die Dominikanerkirche erbaut wurde. Die beiden großen Türme kamen erst 1775 hinzu. Sie wurde zur Pfarrkirche für die südliche Vorstadt. 1767 lebten im Kloster sieben Patres und sechs Fratres, 1781 wurde das Ordenshaus zum Konvent erhoben. Ihrer seelsorgerischen Tätigkeit hatten es die Ödenburger Dominikaner zu verdanken, dass ihr Kloster im Zuge der josephinischen Kirchenreform nicht aufgelöst wurde.

Unter den bedeutendsten Persönlichkeiten, die im 18. Jahrhundert am Ödenburger Lyzeum - wenn auch nur für kurze Zeit - wirkten, war Martin Schwartner. Er hatte seine Ausbildung an den evangelischen Lyzeen in Käsmark und Preßburg erhalten und studierte dann 1779 bis 1782 in Göttingen. Er wollte zunächst Theologie studieren, wechselte aber bald zu Geschichte, Statistik, Politik und Diplomatie. 1780/81 nahm er an Schlözers Statistikkurs teil, im Sommersemester 1781 besuchte er Schlözers Kurs zur Politik und zur europäischen Geschichte. 1782 wurde er Privatlehrer und 1786 Lehrer am Ödenburger Lyzeum. Schon 1787 ernannte ihn Kaiser (König) Josef II. zum Professor für Heraldik und Diplomatik an der Universität Pest.