Die Anfänge
Loipersbach hat Anteil an zwei historischen Landschaften. Der Nordteil des Ortsgebietes Richtung Kogelberg (Marzer Kogel) und der östliche Teil liegen auf uraltem Siedlungsgebiet, der südliche Ortsteil entlang des Aubaches war vermutlich bis in das Hochmittelalter nur zum Teil gerodet, also Waldgebiet. Urgeschichtliche Funde sind auf Loipersbacher Ortsgebiet bis jetzt nicht bekannt, häufen sich aber in unmittelbarer Nachbarschaft: direkt an der Ortsgrenze zu Schattendorf lag an einem kleinen Seitenbach zum Aubach (Tauscherbach) eine jungsteinzeitliche Siedlung, die durch Keramik- und Werkzeugfunde gut belegt ist. Auch in der Bronze- und Eisenzeit war die Mulde südlich des Marzer Kogels im Vorfeld der großen hallstattzeitlichen Siedlungen von Ödenburg genutzt. Hügelgräber wurden im Hadspitzwald und auf den Rohrbacher Leberäckern gefunden. Die Römer bauten die große Stadt Scarabantia, deren römerzeitliche Anlage ja im heutigen Ortsbild von Ödenburg/Sopron ja noch deutlich erkennbar ist. Die Römerstraße in Richtung Wr. Neustädter Pforte verlief auch über Loipersbacher Gemeindegebiet (Riedname Strassen). An dieser Straße lagen große römische Gutshöfe (Wandorf, Schattendorf, an der Ortsgrenze zwischen Loipersbach und Rohrbach (bei der Aglisterbrücke, in den 1960er Jahren von Gerhard Langmann ausgegraben). In Agendorf wurde schließlich der berühmte römische Grabstein mit der Wölfin und Romulus und Remus gefunden.

Im Jahre 1606 wurde der Wiener Friede geschlossen, der den Adeligen und den Städten Ungarns die freie Religionsausübung zusicherte. Damit konnte Ödenburg und die Stadtdörfer zum Protestantismus zurückkehren, während sich die Gegenreformation in den Herrschaften Forchtenstein und Eisenstadt unter den Esterhazy endgültig durchsetzte. Für Jahrzehnte waren nun die Stadtgemeinden, besonders aber das nach Westen weit vorgeschobene Loipersbach, Zentren des Protestantismus.

Im Jahre 1225 wurde von König Andreas II. die große Klostermarienberger Urkunde ausgestellt, in der Agendorf neben anderen Orten als Besitz der Zisterzienser bestätigt wird. Bei der Beschreibung der Grenzen wird auch “Lupoltsbach im Wald” erwähnt. Die Beschreibung als “im Wald gelegen” ist insofern treffend, als der Ort damals tatsächlich auch im Norden noch vom Wald umgeben war. Alte Karten zeigen dies, ebenso wie die Flurnamen, die typische Rodungsnamen sind (Kreiten von Roden, Gereuth – Neuäcker – Lissen – Brand). In einer späteren deutschen Übersetzung der lateinischen Urkunde heißt es:

Im Jahre 1670 nahm man die Magnatenverschwörung zum Vorwand, um alle evangelischen Pfarrer und Lehrer Ungarns insgesamt für Hochverräter zu erklären. Sie mussten sich ihrer Ämter unwürdig erklären, wurden vertrieben, eingekerkert und sogar als Galeerensträflinge verschleppt. Die Stadt Ödenburg weigerte sich anfangs, die evangelischen Pfarrer zu entlassen, musste schließlich aber doch nachgeben und hohe Strafen zahlen. Da die Stadt das hohe Strafgeld von 2000 Gulden nicht aufbringen konnte oder wollte, musste sie die beiden Dörfer Klingenbach und Loipersbach an die Hofkammer verpfänden.Der Bischof von Raab, Georg Szechenyi, einer der eifrigsten Gegenreformatoren, hinterlegte die Pfandsumme bei der Hofkammer und kam so in den Besitz der beiden Dörfer. Szechenyi wollte offenbar an Loipersbach, das ja noch immer ein Zentrum für die Evangelischen der Umgebung war, ein Exempel statuieren. Pfarrer Fomann wurde nach Pressburg vor Gericht zitiert, konnte aber wegen einer schweren Krankheit diesem Befehl nicht Folge leisten.

1238 war Loipersbach ganz oder teilweise im Besitz des Kreuzritterordens der Johanniter. König Bela IV. bestätigte in diesem Jahr dem Orden alle seine Besitzungen, darunter auch das Dorf Lipolt mit vier Hufen Ackerland. Der Orden hatte auch in Ödenburg eine Niederlassung, betrieb ein “Spital” und hatte eine wichtige Aufgabe bei der Verteidigung der Stadt. Dafür wurde er mit reichen Besitzungen, etwa dem Recht, Zölle einheben zu dürfen, ausgestattet. Die Zisterzienser blieben nicht lange in Agendorf, der Besitz war wohl zu weit von Klostermarienberg entfernt. Trotzdem war ihr Wirken von einiger Bedeutung. Schon im Mittelalter gab es in Agendorf einen großen Obstgarten, und die Zisterzienser haben wohl auch die Anpflanzung von Edelkastanien veranlasst. Der hohe Stellenwert, der später dem Obstbau auch in Loipersbach zukam, könnte also auf diese Zisterziensertradition zurück zu führen sein. 1265 verkaufen die Zisterzienser Agendorf an den Grafen Peter, Burggraf von Ödenburg. Damit wird jene Adelsfamilie für uns wichtig, die man die “Agendorfer” nennt. Sie spielten in Ödenburg, wo sie einen Wohnturm an der Stelle des heutigen Rathauses besaßen, eine wichtige Rolle. Sie waren auch Besitzer eines Teiles von Loipersbach. Unbekannt ist, wann und wie sie diesen Besitzanteil erworben haben und ob die Johanniter ihr Dorf Loipersbach verkauft haben. In der Verkaufsurkunde wird auch ein Gut Gyula genannt, das man früher mit Loipersbach gleich gesetzt hat. Obwohl dies längst widerlegt ist, wird es immer wieder behauptet. Gemeint ist ein Ortsteil von Schattendorf, der im Besitz des Matheus, Sohn des Julius von Schattendorf war.

Nach den schweren Rückschlägen gegen Ende des 17. Jahrhunderts. und nach den ständigen Überfällen der Kuruzzen in den Jahren 1704—1708, die den Dörfern schwere Schäden zufügten, war das 18. Jhdt. eine Zeit relativ ruhiger Entwicklung für die Gemeinde Loipersbach, allerdings unter dem doppelten Druck von Grundherrschaft und Gegenreformation. Die Bevölkerungszahl stieg wieder beträchtlich an und der Besitz an Äcker und Weingärten pro Ansässigkeit wurde ständig kleiner. Die Evangelische Kirchengemeinde hatte aufgehört zu existieren und es gab über 100 Jahre lang in Agendorf — Loipersbach keinen evangelischen Gottesdienst. Die kirchlichen Handlungen wurden in dieser Zeit vom katholischen Pfarrer in Agendorf vorgenommen, Loipersbach war seit 1690 erneut Filiale. Die Bevölkerung aber besuchte immer wieder die evangelischen Gottesdienste in Ödenburg.

Die Gemeinde Loipersbach lag zu Beginn des 16. Jahrhunderts als Besitzung eines westungarischen Kleinadelsgeschlechtes zwischen der Herrschaft Forchtenstein im Westen und der Ödenburger Stadtherrschaft im Osten. Die Herrschaft Forchtenstein war durch Verpfändung in den Besitz der Habsburger gekommen und auch Ödenburg gelangte während lang andauernder Thronstreitigkeiten unter Friedrich III. vorübergehend an Österreich. In dieser Zeit litt das ganze Gebiet unter wilden Grenzfehden und ständigen Einfällen von Raubscharen.