Aus der Pforte

Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!Walter Rossmann
Vorstadt 4 • 7022 Schattendorf • Österreich
http://www.ausderpforte.at
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Das ehemalige Gemeinde-Gasthaus „Blauer Stern“ erlangte eine gewisse Bekanntheit außerhalb der Gemeinde durch den tragischen Umstand, dass sich am 27. Jänner 1927 die Angehörigen des Schutzbundes in diesem ihren Parteilokal zu einer illegalen Kundgebung versammelten. Von dort aus marschierten sie zum Bahnhof Loipersbach-Schattendorf, um dort die Ankunft eines Redners, der zu den Frontkämpfern in Schattendorf sprechen sollte, zu verhindern. Auf dem Rückweg kam es dann auf Höhe des Gasthauses Tscharmann zu dem tragischen Vorfall, der zwei Tote forderte. Das Urteil im Juli 1927 führte dann zum Aufstand der Sozialdemokraten in Wien, zur Erstürmung und Inbrandsetzung des Justizpalastes.
Am 6. Oktober 1940 wurden die Gemeindegasthäuser in Schattendorf um jeweils 27.400 Reichsmark zum Verkauf angeboten. Jakob Grafl einigte sich mit seinen Schwägern Johann Reichl und Georg Schuh, das so genannte untere Gemeindegasthaus (ehemals „Blauer Stern“) – welches von der Gemeinde im Jahre 1893 erbaut worden war – zu erwerben. Das Gasthaus wurde von Jakob Grafl angekauft; sein Schwager Johann Reichl leitete es bis zu seiner Rückkehr aus der Kriegsgefangenschaft.
1946 übernahm Jakob Grafl schließlich von seinem Schwager Johann Reichl die Gastwirtschaft. Zu Beginn der 1950er Jahre wurde das alte Gebäude weggerissen und durch einen modernen Neubau ersetzt: Gastwirtschaft mit Tanzsaal im Erdgeschoß, Fremdenzimmer im 1. Stock.
Die Eröffnung fand am 30. August 1953 um 15.00 Uhr statt, für Stimmung sorgte die aus Wien angereiste Jazz-Kapelle Lucksch. Das Gasthaus Jakob Grafl war zu dieser Zeit der Jugendtreff von Schattendorf (Burschenlokal) und im ganzen Bezirk bekannt. War auch kein Wunder, denn beim „Schackl“ stand der erste Wurlitzer! Auch in den 1960er Jahren blieb es ein „In-Lokal“, als die Musikgruppen „Potatoes“, „Minstrels“ und andere den Beatles-Sound nach Schattendorf brachten. Am 1. August 1971 übernahm Theresia Tranker die Leitung der Gastwirtschaft.
Vom 1. April 1992 bis 31. Dezember 2001 war das Lokal an das österreichische Bundesheer als Stützpunkt für den Assistenzeinsatz vermietet. Der Gastbetrieb wurde mit 31. Dezember 1992 eingestellt.
Amer Abbas, ein gebürtiger Iraker, erwarb das nun leerstehende Gebäude, revitalisierte die Innenräume und richtete es zum heutigen „Kustraum Schattendorf“ ein. Die Eröffnung fand am 17. April 2010 um 17 Uhr statt.
Die Geschichte dieses Hauses ist also nicht erst seit diesem Jahr mit Kunst eng verknüpft. War es damals Musik, so finden nun Ausstellungen über Malerei und Bildhauerei statt. Gute und vor allem friedliche Aktionen sollen nun in Zukunft die Geschicke dieses Gebäudes bestimmen. Die derzeit laufende Ausstellung „Konflikte“ stellt also in gewisser Weise eine Verbindung zur Vergangenheit des Hauses her.
Mit seinem Engagement in verschiedenen kulturellen Bereichen hat Amer Abbas, der seit 1976 in Österreich lebt, in Wien eine Galerie führt, eine Bar betreibt und an der Hochschule für Angewandte Kunst lehrt, in den vergangenen Jahren bereits große Anerkennung gefunden. So wurde seine Galerie „Kunstbüro“ von der Kunstzeitschrift „Flash Art“ auf Rang 75 unter die 100 weltbesten Galerien gereiht. Für sein Engagement in der burgenländischen Provinz gebührt ihm besonderer Respekt. Auf die nächsten Interventionen kann man gespannt sein.
Das Haus in der Baumgartnerstr. 2 verfügt über eine exponierte Lage sowie eine besondere Raumaufteilung.
Der ehemalige Tanzsaal wird zum White Cube umfunktioniert. Das alte Gasthaus wird in Form eines Artclubs genutzt werden. Die ehemaligen Gastzimmer im oberen Stockwerk werden für Artists in Residence und Aufenthalts- und Arbeitsstätten genutzt werden. Insgesamt versteht sich der Kunstverein zuerst als eine natürliche Fortsetzung der einstigen Gemeinschaftsplattform des Dorfgasthauses. Für sich ist diese Einrichtung allerdings eine Initiative mit neuen Orientierungen und Ideen, die sich noch bewähren muss. Daraus ist der Anspruch, den Schattendorfern sowie deren neuen möglichen Partnern aus der Kunstwelt, eine Kommunikations- und Produktionswerkstatt gleichermaßen zur Verfügung zu stellen, entstanden.
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