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Montag, 06. Nov: Filmnachmittag, Deutsches Kulturhaus /Rejpál Haus Ödenburg / Sopron Várkerület 7.
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  • ludwig

Mundartdichter aus Brennberg, geb. 18.6.1911 , gest. 18.2.1992 in Brennberg
LEBENSLAUF

Geboren bin ich am 18. Juni 1911 in dem deutschsprachigen Bergwerksort Brennberg. im damaligen Komitat Ödenburg. Und zwar in einer Familie, in der seit vielen Generationen alle von der Kohle lebten. Urgroßvater, Großvater, Vater, alle waren, Bergleute. Mir selbst blieb wegen eines Unfalls, bei dem ich die Sehkraft eines Auges verloren habe, das Bergmannsschicksal erspart. Der Bub soll was lernen hieß es in der Familie. 

Die Volksschule besuchte ich in Brennberg; in Grünbach. einem österreichischen Bergwerksort, absolvierte ich die Bürgerschule. Schon als Bub wollte ich immer Lehrer werden, weil man als Lehrer auf dem Land sehr angesehen war.

Für kurze Zeit war ich einmal ganz nahe dran. mir diesen Kindheitstraum zu erfüllen. 1928 hat man mich in die deutsche Lehrerbildungsanstalt aufgenommen -mein Vater war 1926, in der Zeit der großen Arbeitslosigkeit, mit vielen Gleichgesinnten in die asiatische Sowjetunion, nach Kasachstan gezogen. Aber schon 1929 musste ich aus familiären Gründen die Ausbildung abbrechen.

Mein Vater -die Mutter war in der Sowjetunion gestorben -ging nach Brennberg zurück. Das normale Schulalter hatte ich inzwischen längst hinter mir, und so meinte mein Vater, es wäre an der Zeit, endlich einen richtigen Beruf zu lernen, in dem ich bald etwas verdienen könnte.

Ich machte eine Lehre als Kaufmann und Drogist, und damit waren auch die Weichen fürs Berufsleben endgültig gestellt: ich wurde und blieb Kaufmann -so gut wie ein Leben lang. Über Jahrzehnte war mein Arbeitsplatz der Bergwerkskonsum. 

1934 habe ich geheiratet. 1935 wurde ich Vater, später, kurz vor Ende des Krieges, auch Soldat. Inzwischen war viel passiert in der Welt, und ich verkaufte immer noch Mehl, Öl, Salz und was der Mensch sonst zum Leben braucht. Für kurze Zeit war ich Wirt, später Magazineur, aber gelesen und geschrieben habe ich hauptsächlich Rechnungen und Lieferscheine. Mit Büchern kam ich wenig in Berührung.

Als ich 1973 aus der "Neuen Zeitung" über einen literarischen Wettbewerb erfuhr, fielen mir meine Schreibversuche aus der Jugendzeit ein. Ich schrieb heimlich ein paar Verse und beteiligte mich mit ihnen am Wettbewerb, weil ich wissen wollte, ob ich das auch könnte. Für einen meiner Versuche, "Leut, Sautanz ist heut!" bekam ich einen Sonderpreis: Geld und eine Einladung zur Preisverleihung nach Budapest.

So fing es an, dass ich mit 62 Jahren und als Pensionist immer mehr Spaß und auch Mut bekam, Verse zu schmieden. Reime aufzuschreiben, über das, was ich erlebt habe, was um mich geschah, was ich dachte und was mich innerlich bewegte. Immer wieder einen neuen Anstoß gaben mir die Redakteure der Zeitung, die vieles davon, was ich geschickt habe, abdruckten. Das machte mich natürlich stolz -ich gebe es zu. Langsam bekam ich das Gefühl, dass meine Versuche vielleicht auch für andere zum Lesen interessant sind. Und es gab keinen Grund, dieses schöne Hobby nicht weiterzumachen, bis heute. 

Viel gelernt habe ich bei den literarischen Seminaren von Germanisten und von anderen Fachleuten, die dort mit uns gearbeitet haben, auch von den Kollegen. die noch dabei waren. Es ist mir wichtig. das zu erwähnen, denn vom schreibenden Handwerk wusste ich vorher ja nicht viel. 

Und heute fällt es mir schon leichter, mit der Sprache umzugehen und einen Gedanken schriftlich auszudrücken. Ohne diese Hilfe und die vielen Ermutigungen wäre ich heute wahrscheinlich ein alter, grantiger Pensionist, der außer Essen, Trinken und Schlafen kaum etwas zu tun hätte.

Franz Zeltner