Eduard Kaiser, geboren in Wandorf, jetzt wohnhaft in Melbourne, Australien
Der Tag unserer Vertreibung aus Wandorf, unserer Heimat, ist mir trotz der 60 Jahren immer noch in sehr guter Erinnerung. Fuer meine Eltern,und hoechstwahrscheinlich vielen anderen Wandorfern, war es unfassbar. Man hatte keine Vorstellung, was und wohin es gehen soll, die Ereignisse des vergangenen Krieges war jedem von uns in guter Erinnerung. Mein Bruder und ich waren erst kurz vorher aus der Kriegsgefangenschaft, heimgekehrt, dass war ein guter Trost fuer unsere Eltern, die Familie war beisammen.
Die Tage vor der Abfahrt waren voller Aufregung. Wir waren im ersten Transport, aber meine Schwester Anna wollte nicht von ihrem Herzallerliebsten getrennt werden und so musste man noch schnell Heiraten, aber so einfach war es nicht, die beiden Trauzeugen waren auch nicht mehr ganz nuechtern, aber Ende gut alles gut, sie konnte dann ihre Hochtzeitsreise mit dem 2. Transport machen.
Wir Buben hatten Genehmigung von den Eltern, alles kaputt zuschlagen, was wir nicht mitnehmen konnten, einen Handwagen voller Sachen brachten wir zu einer Verwandten nach Brennberg, wir hatten jeder ein paar Skier, die haben wir klein gemacht,Geschirr und Einmachglaeser wurden auch klein gemacht, eine Uhr musste auch daran glauben, sie sollte fuer Niemanden mehr eine Stunde schlagen.

Als alles Hab und Gut dann abgeholt wurde und der Moment des Abschieds kam, das war herzzerbrechend, es gab viele, viele viele Traenen, den ganzen Weg durch unser geliebtes Wandorf, ich sehe heute noch meine Eltern hinter diesem Pferdefuhrwerk, ueberall musste man sich verabschieden, da war die Kirche, die Schule, das Spritzenhaus, Kriegerdenkmahl, usw.

In Agendorf wurden wir dann in Waggons verladen, unsere Familie: 10 Personen, Finsinger Samu und Mutter, mein Grossvater und Familie, Familie FinsingerPloechel, Finsinger Maurer; ich glaube das es 30 Personen waren,es war sehr wenig Platz und fuer alle sehr beschwerlich, am Tage konnten wir an den offenen Tueren sitzen, aber mit dem Schlafen hatten wir Probleme.
Das Sitzen an der Tuer gab fast immer Aerger, bis eines Tages jemand aus dem vorderen Waggon den Nachttopf hinaus geschuettet hat, von diesem Tag an gab es immer Platz an der Tuer.
Die Fahrt dauerte fast eine Woche, wir kamen nach Nekarzimmern, von dort wurden wir dann nach Mosbach/Baden in das Lager in der Hammerwegsiedlung gebracht, die Unterbringung war sehr schlecht, meine Familie bekam bald eine Dachwohnung in der Nekarelzerstrasse von Mosbach zugeteilt, 3 Zimmer fuer 7 Personen, das Zimmer unserer Eltern war ihr Schlafzimmer, Kueche und auch Wohnzimmer. Mein Grossvater hat seine neue Heimat nicht gesehen, er war das erste Todesopfer von den Wandorfern.
Von Neckarzimmern zur neuen Heimat wurde er vom Lastwagen geschleudert, er starb an seine Verletzungen in Heidelberg.
Mein Vater war sehr Ungluecklich, seine Sensucht, ging nach dem Burgenland, also in die Naehe von Wandorf. Wir waren nicht Wilkommen in Mosbach, was ja verstaendlich ist, mein Vater bekam Arbeit im Stollen von Obrigheim, meine Brueder und ich,waren im Stollen von Neckarzimmern.
Meine Eltern und wir Buben haben uns dan 1948 in Horitschon im Burgenland angesiedelt, aber es war fuer uns Buben nicht die beste Loesung, auch hier wurden wir als Staatenlose behandelt, wir durften nur in der Landwirtschaft arbeiten, an eine Lehre war nicht zu denken, ich hatte 1944 als Elektriker in der Teppichfabrik in Oedenburg eine Lehrstelle, wurde aber in Oktober 1944 zum Heimatschutz in der Kerschtenallee einberufen, so ging meine Jugendzeit und meine Lehrstelle verloren.

Von Horitschon ging ich wieder 1951 zurueck nach Mosbach, bei meiner Schwester fand ich ein Daheim.
Mosbach wurde fuer mich dann die zweite Heimat, dort lernte ich auch meine Frau kennen, ein echtes Mosbacher Maedel, von da an war Mosbach ein wunderbares Staedle, der Schwiegervater war nicht so ganz mit mir einverstanden,aber ich konnte ihm auch ueberzeugen, das ich das Beste fuer seine Tocher bin, wir haben dann 1954 geheiratet, 1959 sind wir nach Australien ausgewandert, seit dem 26.1.1960 leben wir nun in diesem grossen und schoenem Land; Melbourne ist nun meine 3te Heimat.
1989 haben meine Frau und ich nochmals unser alte Heimat besucht, es war sehr bewegend fuer uns beide, nochmals die Wege zu gehen,noch ein letztesmal die verbliebenen Verwandten und Freund zu sehen.

Ich moechte hier auch noch ein herzliches Dankeschoen sagen an Ludwig Muellner und auch an seine Tochter Claudia, durch ihre Webseite fand ich, nach 60 Jahren meinen ehemahligen Kriegskollegen aus Wolfs, Ferdinand Kranixfeld, wir beide sind in Februar 1946 aus der Gefangenschaft ausgebrochen und haben uns bis nach Ungarn durchgeschlagen. Auf Grund der Vertreibung haben wir die Verbindung verloren, Dank dieser Webseite konnte ich den Ferdinand nach 60 Jahren Hallo sagen.

Wir haben auch hier in Australien einige bekannte Wandorfer, die Brueder Brand, Ludwig & Susi geb.Schoel, sowie Karl Brand & Kaethe geb. Graf, die Kaethe hat auch noch einen Bruder hier, dann ist noch der Ziegler Karl[Maler] auch aus dem Neulundendorf, Teicher Karl und Frau Tochter von Knabel Karl, [verstorben] Familie Ferdinand Kranixfeld, die leben alle in Adeleide, hier in Melbourne weiss ich von Degendorfer Miska [Lugi], Erich Brand ein Sohn vom Brand[Baecker] da sind nun noch die Kinder von Weisz Hermann[Schlosser] die hatten einen Betrieb in Oedenburg Weisz&Freiberger.

Alle Wandorfer moechte ich nun herzlichst Grüssen und sie auch herzlichst Bitten, sich an dieser schoenen Sache, zu beteiligen, denn

es gibt nur ein Wandorf & ein Wien,


in diesem Sinne Gruesst herzlichst


Eddy Kaiser Smile