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Montag, 04. Dez: Filmnachmittag, Deutsches Kulturhaus /Rejpál Haus Ödenburg / Sopron Várkerület 7.
Montag, 01. Jan: Filmnachmittag, Deutsches Kulturhaus /Rejpál Haus Ödenburg / Sopron Várkerület 7.

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Da, wo die Straße von Ödenburg nach Harkau sich über eine sanfte Anhöhe schlängelt, erregt die plötzliche Abdachung der Ödenburger Berge, der letzten Zweige der steiermärkischen Alpenkette, die Aufmerksamkeit des Wanderers; der sanften Abdachung gegenüber [erhebt] sich ein Berg, den nicht die Natur, sondern Menschenhände gebildet zu haben scheinen. Der Sage nach soll es ein Hunnengrab sein und dessen Entstehen den Zeiten Thuduns zugeschrieben werden.
 
Mehr als der zerschmetterte Arm folterte diesen der Anblick des Engels, der alle mögliche Sorgfalt anwendete, ihm Linderung zu verschaffen. Er fluchte des Verführers, der sein Wort brach, als er das seine zu lösen beabsichtigte. Doch eine dumpfe Stimme sprach:
"Du irrst - ich habe mein Wort treu gehalten, keine Waffe hat dich verletzt, habe dich treu beschützt, solange du ferne geblieben dem Kreuze. Gegen dieses konnte ich dich nicht schützen."
 
"Hebe dich deshalb hinweg, sprach Thudun, [ich] habe deine Schwäche kennengelernt, weiß, daß du ein Feind aller Zucht bist, gerne den Herrn spielst hinter dem Rücken, nur Dieben und Ehebrechern schmeichelst, von Guten die Erbschaft der Seligkeit zu entreißen. Doch die Erbarmung hat keine Grenzen und die Sanftmut reicht dem Verirrten die Hand."
 
Der Böse wollte sprechen, doch Thudun berührte das an der Bettwand hängende Kreuz, und die Stimme verstummte.
 
Er ließ sich noch an demselben Tage in einer Sänfte nach dem alten Sabaria (Steinamanger) tragen, um auch sein Volk vor den Fallstricken des Bösen zu warnen; doch der Todesengel überraschte ihn auf dem Weg dahin. Sein letzter Wunsch war, einen Berg über seinen Leichnam zu türmen, wahrscheinlich, um ihn so vor dem Bösen zu sichern; und der Geist der Hölle knirschte, als er mit einem Kreuz auf der Brust in das Grab gelegt wurde. Als über demselben der Hügel sich wölbte, riß er das mit seinen zu Stein gewordenen Tränen betaute Gebirge entzwei, schleuderte es samt den Urwäldern in die Tiefe, und verbarg sich in dem Schöße des Brennberges, wo alles, was ihn umgab, augenblicklich verkohlt wurde.
 
Es brechen daselbst noch gegenwärtig ungeheure Blöcke von Granit und Quarz zu Tage, und die Granaten, die im Glimmerschiefer dort gefunden werden, bezeichnet die Sage als die zu Stein gewordenen Tränen.
 
Franz Josef Trimmel ("Emil")
in: Terpsichore. Ein Taschenbuch für das Jahr 1835
zit. nach Sagen aus dem Burgenland
München 1994
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