Der arme Baracsi lag die ganze Nacht im Blut erstarrt am Ufer des Grabens. Am nächsten Tag ließen der als Geisel genommene evangelische Dechant und Parlamentsabgeordneter Eugen Scholtz und der katholische Pfarrer Josef Steiner den Kleinrichter (Er stand im Ruf eines gefährlichen Vaterlandsverräters; später wurde er von den Aufständischen überall gesucht, er flüchtete aber mit den Österreichern!) kommen und wiesen ihn trotz seiner fürchterlichen Schimpfungen an, den Mann unverzüglich in die Leichenkammer zu bringen.
Nach Aussagen von Michael Trinkl – der heute in Ödenburg lebt- fuhr ihn sein Vater Matthias Trinkl mit einer Karre zum Friedhof. Man hatte die Sachen des Toten durchsucht. Er hatte keinen Ausweis und auch keine anderen Dokumente bei sich. Er war ein in Kecskemét gebürtiger und wohnhafter Aufständischer. Seine Eltern Ladislaus Baracsi und Veronika Faragó, Ehefrau: Mária Odor. Er fiel in Agendorf am 28. August 1921, nachmittags um halb drei Uhr auf dem öffentlichen Platz bei der römisch-katholischen Kirche. Eine Quittung, auf seinen Namen ausgestellt von einem Fotografen in Kecskemét– das war alles, was er bei sich hatte.
 

In solchen Fällen, in denen man die Identität einer unbekannten Person nicht feststellen kann, muss sie vom Geistlichen der in der Gemeinde mehrheitlich vertretenen Kirche beigesetzt werden. So hatte der evangelisch Dechant Eugen Scholtz am 30. August 10 Uhr vormittags den römisch-katholische Baracsi beigesetzt. Zuvor ließen die österreichischen Besatzer durch den Kleinrichter verkünden, dass der Beisetzung außer dem Geistlichen, dem evangelischen Direktor und Kantor Gyula Purth und den vier Sargträgern keiner beiwohnen darf. Dechant Scholtz wurde sogar zum Friedhof von zwei österreichischen Gendarmen begleitet. Vom Taktgefühl der österreichische Gendarmen zeugte aber, dass sie für die Zeit der Zeremonie – ungeachtet des Befehls und angesichts des Talars – die Bajonetten von ihren Gewehren genommen haben. Dort, wo das erste Opfer des westungarischen Aufstands von einem Kopfschuss getroffen mit dem Gesicht zur Erde fiel, ließ die Stadtgemeinschaft von Kecskemét am 9. September 1928 ein Denkmal setzten. Es steht auf dem Friedhof von Agendorf. Am Denkmal ist Aufschrift zu lesen: "Im Gedenken an Ladislaus Baracsi", der am 28. August 1921 bei der aufopferungsvollen Verteidigung unseres Vaterlandes und Komitates in Agendorf den Heldentod starb: "In dankbarer Ehrfurcht von der Stadtgemeinde Ödenburg errichtet.“ Es ist unergründlich, wie er nach Agendorf kam, wie auch noch nicht geklärt ist, wessen Kugel ihn traf: die eines österreichischen Gendarmen oder eines Widersachers aus Kecskemét. Nach Meinung mancher waren die Österreicher nämlich nicht in der Lage, Bracsi zu erschießen. So viele Menschen, so viele Meinungen.

 
Das Denkmal wurde im Rahmen einer rührenden Feier enthüllt. Das festliche Programm verlief nach einem vorher festgelegten Plan. Die Teilnehmer wurden am Morgen mit einem Sonderzug nach Agendorf gebracht. Der zahlreichen Delegationen aus Kecskemét, von Obergespan Stefan Fay angeführt, gehörten der Vater und fünf Brüder von Ladislaus Baracsi an. Die Delegation ging mit Obergespan Vitéz Elemér Simon, Vizegespan Lajos Gevay Wolff und Bürgermeister Dr. Michael Thurner an der Spitze von Ödenburg nach Agendorf, das die Ankommenden beflaggt und mit festliche gekleideten Einwohnern erwartete.
 
Nach einer stillen Messe zog die Trauergemeinde zum Denkmal, wo die Festansprache vom päpstlichen Kammerer Árpdád Bossányi, Mitglied der Kommission des Komitates Ödenburg gehalten wurde. Nach der von Begeisterung und heißer Vaterlandsliebe geprägten Rede trat der Oberstaatsanwalt der Stadt Kecskemémt, Endre Kiss, vor das Denkmal. In seiner von tief bewegter Erinnerung gekennzeichneten Rede übergab er das Denkmal dem Komitat Ödenburg und der Gemeinde Agendorf, das dann von Vizegespan Lajos Wolffs Gévay in Empfang genommen wurde. Anschließend legte der Obergespan, der Bürgermeister im Namen der Stadt und des Komitates Ödenburg, der Kommandant der 5. Aufständischengruppe, Finanzamtsoberrat Paul Gebhardt aus Steinamanger, in Namen der Aufständischen, Szaléz Gerecs im Namen der Ödenburger "Erwachenden", die Witwe von Franz Krétschy im Namen von Mansz und die Delegation der Volksbefragungs-Zeichnung am Denkmal Kränze nieder. Im Namen der Gemeinde Agendorf nahm Wirtschaftsrat Michael Kirchknopf, Mitglied der Kommission der ges. Behörde, das Denkmal mit einer wohlgeformten, deutschsprachigen Rede in Empfang. Am Grab von Ladislaus Baracsi hielten Parlamentsabgeordneter Stefan Héjjas und Szaléz Gerecs eine herzergreifende Rede.

 

Im Namen der Stadt Kecskemét gedachte Obergespan Stefan Fáy in einer schwungvollen, ideenreichen Ansprache der Helden, über die "Liebe und der Dank der Nation“ wachen. Der Direktor des Taubstummeninstituts, Josef Völker, sprach die letzten Abschiedsworte, nach denen Bürgermeister Dr. Michael Thurner, Parlamentsabgeordneter, Szalés Gerecs und Frau F. Kretschy an den Gräbern des 22jährigen Gyula Mahatsek, Forstingenieur, Bergbauingenieur Elemér Széchányi, die auf dem Sankt Michael- Friedhof ruhen, Kränze niederlegten.

 
Quelle: Agendorfer Mosaik
Andreas Böhm (1991)