Im Jahre 1893 wählte die Gemeinde Edmund Scholtz zu ihrem Pfarrer. Scholtz wurde am 27.1.1869 in Oberungarn (Zips) geboren. Zwei Jahre war er Kaplan Fleischhackers und 47 Jahre Geistlicher der Gemeinde.

Unter seinen Zeitgenossen gehörte er zu den hervorragendsten. Gegenüber dem Tarionalismus und Liberalismus der führenden Kreise vertrat er die Sache des Glaubens und der Mission. Unermüdlich war seine Feder! Seit Anfang des Jahrhunderts verfasste er das Blatt "Aussenmission". Das Ergebnis seiner Bemühungen war, dass er 1909 den Missions-Verein gründete und dessen erster Präsident wurde. Er hielt enge Verbindung mit dem "Lutherischen Gotteskasten" und dem Gustav-Adolf-Verein in Deutschland. Daheim war er Vorsitzender des Gustav-Adolf-Vormundschaftsbezirks. Als Anerkennung seiner vielseitigen Bemühungen bestellte man ihn von 1912-1937 zum Senior (Dekan) der Oberen-Diözese Ödenburgs.

In der zweiten Hälfte seines Lebens kam er der großdeutschen Bewegung sehr nahe. Anfang der zwanziger Jahre war er Abgeordneter im ungarischen Parlament, und man beschuldigte ihn öfters der nationalen Treulosigkeit. Jedenfalls arbeitete er viel für den Erhalt des Deutschtums der deutschen Minderheit. 40 Jahre hindurch verfasste er den "Gotthold-Kalender" und 16 Jahre lang das "Gotthold-Familienblatt". Im Jahre 1938 ging er in Pension und am 7. Juni 1949 starb er.

Quelle: Geschichte der evangelischen Kirchengemeinde in Wandorf
Prof. Pröhle (1950), übersetzt aus dem Ungarischen von Matthias Ziegler