Teil 1: Geschichte & Gemeinschaft in Agendorf

 

fig 001Eine Gemeinde mit 2.200 Einwohnern ist noch keine Gemeinschaft. Ob sie vor 100 Jahren eine war, ist fraglich. Ob Demokratie funktioniert – ebenfalls.......

Im Jahr 1920, zwei Jahre nach Kriegsende ging es darum, ob Agendorf bei Ungarn verbleibt oder nicht. Abgestimmt wurde ein Jahr später:

  • In der Stadt Ödenburg am 14. Dezember 1921
  • in Agendorf zwei Tage später.

Aus welchen Gründen auch immer – gaben von den 1.148 Stimmberechtigten nur 848 Bürger ihre Stimmen ab, ungültig waren 18 Stimmen, 148 stimmten (mit den unversehrten blauen Zetteln und den zerrissenen orangenen Zetteln im Kuvert) für Ungarn, 682 umgekehrt - für Österreich.

Aufgrund dieses Wahlergebnisses verblieb Agendorf – als "Anhang" zu Sopron – bei Ungarn.fig 005

So blieb es dann - allerdings änderte sich im Jahr 1946 vieles, als die Mehrheit der Agendorfer Einwohner enteignet, einwagoniert und nach Deutschland ausgesiedelt wurde. Bis heute hört man noch hier und da, dass das die "gerechte Strafe" gewesen sei und wie sie wohl heute abstimmen würden?

Vorwürfe wie Kollektivschuld, SS, Volksbund und dass sie als deutsche Siedler ins schöne Ungarnland mit 50 Kilo Gepäck eingewandert seien, sind bis heute noch mancherorts zu spüren.

Dabei lebten in der Gegend um Ödenburg schon lange vor der ungarischen Landnahme (896 n. Chr.) im Ostreich (70 km vom römischen Vindobona) nach Karl dem Großen Völker germanischer Herkunft. Genau das ist der wesentliche Unterschied zu allen weiteren, von Ungarndeutschen auch heute noch bewohnten, Gebieten in Ungarn.

Siedler (aus Ungarn und den Ostgebieten) kamen erst 1946, sie zogen in die verlassenen Häuser der ehemals deutschen Bevölkerung ein, „erbten“ Hof und Vieh, Felder und Weingärten. Später gaben sie vieles davon in die Kollektivwirtschaft ein und wurden dafür beim nächsten Systemwechsel, 1989, „entschädigt“.

"Grenzgegend" bedeutet,  im Laufe der Jahrhunderte immer wieder  große Änderungen erleben zu dürfen und zu müssen. Der wohl größte Einschnitt im Leben des Dorfes erfolgte durch den Eisernen Vorhang und durch über 40 Jahre Kommunismus.

Dann gab es aber rasante Ereignisse: die Wende ’89, Beitritt zur EU (AT:1995, HU:2004), Grenzöffnung, ab 2011 Öffnung des österreichischen Arbeitsmarktes auch für das EU-Land Ungarn. Die Grenzgegend, die bisher unter einer gewissen Paralyse litt, bekam Aufschwung, in Agendorf zu leben einen hohen Stellenwert!

Die neuen und noch neueren Agendorfer sind heute in der Mehrzahl, aber auch eine kleine deutsche Minderheit konnte sich erhalten.

Noch während des Kommunismus wurde immer mehr auf die Minderheiten geachtet, nach und nach erhielten sie sogar Rechte. Nach der Wende wurde die Vertreibung offiziell bedauert.

Wie sieht es aber in den Augen der Öffentlichkeit mit dieser deutschen Minderheit aus? Was passiert im Dorf in dieser Hinsicht? Die Ereignisse rund um die Schule sind aufschlussreich und lassen einen Rückschluss darauf zu, ob es sich hier um eine homogene Gemeinschaft handelt.

Weiterlesen in Teil 2: Alle wollen den Erfolg des Schulprojektes in Agendorf

 

Alle Teile der Artikelserie: